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01.11.2007 Der letzte Abend ...

… kaum zu glauben, aber tatsächlich sind die drei Wochen schon rum. Ein bisschen traurig, aber auch schön, wieder nach Hause zu fahren. Was bleibt, ist ein bisschen das Gefühl, die Zeit nicht richtig genutzt zu haben. Mehr von allem wäre schön gewesen: mehr lernen, mehr reisen und angucken, mehr Freunde oder Bekannte finden … mehr …. Von allem einfach!

Der Koffer ist gepackt, bis an die Belastungs- und Gewichtsgrenze. Hoffe, ich habe morgen friedfertiges, gutmütiges und verständnisvolles Bodenpersonal … Das Handgepäck ist auch nicht zu unterschätzen.

Habe heute einiges auf den Postweg gebracht. Yaolan war so nett, mir zu helfen, weil alle Lehrer sich hier einig waren. Der Service der Post lässt zu wünschen übrig. Da kann man besser mal einem Laowai helfen.

Danach waren wir noch zwei drei Kleinigkeiten besorgen, das Ganze als Unterricht getarnt. Yaolan hat betont, dass wir Kontakt halten wollen, über E-Mail und Skype, ich hoffe, das klappt. Im Hanyuan hat sie mir dann noch geholfen Software zu downloaden, damit ich in Deutschland weiterhin chinesische Seifenopern gucken kann. Das war nicht ganz so einfach, aber jetzt läuft es. Wie immer bei solchen Aktivitäten in China: feifade, sozusagen ohne Gesetz ;-)

Als wir grad mitten in den Vorbereitungen waren, hab ich plötzlich die Stimme eines lieben Freundes aus meinem Notebook gehört. Stimmt ja, wir waren bei Skype verabredet. Hektisch nach dem Headset gesucht, schnell aufgesetzt und schon konnte es losgehen. Allerdings ohne Bild. Trotzdem unglaublich: mit Dortmund sprechen, als ob er hier um die Ecke wäre. Das haben wir mehr als eine halbe Stunde getan und Yaolan hat kurz auch mit ihm gesprochen. Hatte eine kleine Schrecksekunde, weil er Chinesisch sprechen konnte. War aber absolut witzig und hat tierischen Spaß gemacht.

In einer Viertelstunde werden wir zum Essen gehen. Wird sicher ein schöner Abschluss. Bin aber nicht wirklich gut drauf …

Das ist wohl der letzte Eintrag. Vielleicht schreib ich noch, wie es mir auf dem Heimweg ging, wie ich die Umstellung gemeistert habe und überhaupt … Und überhaupt, ist wohl das beste Schlusswort. Zu viel geht mir durch den Kopf, als dass ich es ausreichend schildern könnte. Vielleicht später …

1.11.07 11:57


31.10.2007 Gewichtsprobleme

Okay, kein Sonnenschein heute. Und irgendwie war der Tag auch ein bisschen so: trüb. Ich bin wieder sehr schwer aus dem Bett gekommen. Hab mich zur Schule geschleppt, die ersten beiden Stunden mit der Lehrerin zugebracht, die sich gestern mit mir durch einen Blogeintrag einer Journalistin gequält hat. Diesmal haben wir uns nicht ganz so sehr gequält, sondern etwas mehr über “die große Maske” morgens und über die Zeit geplaudert, die man dafür aufbringt oder verschwendet … je nach Sichtweise.

Danach gabs Mittagessen. Diesmal hab ich dran gedacht, meines von zuhause mitzunehmen und ich habe anschließend noch etwas im Dongjiadu abgeholt. Danach  bin ich spontan zur Nanjinglu gefahren, weil ich noch Geschenke besorgen wollte, bin aber kläglich gescheitert, weil ich den Laden nicht gefunden habe, den ich brauchte. Hab mich schon ein bisschen geärgert, nehm es aber jetzt als Schicksalsschlag hin. Zumindest in Anbetracht der Tatsache, dass die Sachen, die Shuping mir heute Mittag noch ins HanYuan gebracht hat (zum Mitnehmen für die Lieben in Deutschland) an die 6 Kilogramm wiegen und eindeutig über das erlaubte Gewicht hinalusgehen.

Etwas gefrustet wollte ich dann ein Taxi nach Hause nehmen, aber selbst das ist gescheitert. Vermutlich, weil es Feierabend-Verkehr war und zu viele Menschen auf diese grandiose Idee gekommen sind … Also bin ich den ganzen Weg zurückgelaufen. Zum einen, weil ich nicht wusste, welcher Bus der  passendste wäre (und auf ein Glücksspielchen wollte ich mich nicht einlassen, denn auch die Shanghaier wissen nicht immer genau über ihre Buslinien Bescheid; geht auch gar nicht, sind zu viele), zum anderen fand ich es eigentlich auch sehr schön, noch mal fast den gleichen Weg zu gehen, wie am ersten Abend und in jede Gasse, in jedes Geschäft noch mal reinzugucken (nur reingucken war angesagt, nicht reingehen!) Insgesamt war ich wohl dann ca. eine Stunde unterwegs, hab aber nach ca. ¾ Stunde Halt gemacht und quasi auf der Straße von einer wirklich kleinen (und auch schmuddeligen)  Essbude meine heißgeliebten Shuijiao gegessen (gefüllte Teigtaschen). war schön und lecker auch! Anschließend bin ich dann nach Hause und wurde halb vorwurfsvoll, aber auch lachend gefragt, wieso ich denn wohl nicht an mein Handy ginge. Lina und ihr Mann wollten mich noch zum Essen einladen. Dumm gelaufen! Da ich schon gegessen hatte, haben wir dann nur noch über meine Gewichtsprobleme (diesmal in Bezug auf den Koffer und das Handgepäck) diskutiert und beraten, während wir gemeinsam meine Lieblings-Seifenoper geguckt haben (ist meine Favoriten-Serie, weil ich da wenigstens ein bisschen was verstehe, der Titel müsste übersetzt ungefähr so lauten “Ich hau dich bis du lachst”. Stimmt natürlich nicht wirklich. Ein “echter” Titel wäre wohl eher so: “Geh trotzdem lachend durchs Leben&rdquo. Lina muss immer kräftig schlucken und hat die Serie einige Zeit nicht mehr geguckt, weil das Heulen fürs Baby nicht gut ist. Mir zuliebe hat sie tapfer durchgehalten …

Das Kofferproblem haben wir nur ansatzweise gelöst. So wie es aussieht, werde ich den größten Teil, den Shuping gebracht hat, morgen mit der Post schicken. Voraussichtlich 70-80 Euro pro Übergewicht sind mir einfach zu viel.

Morgen abend werde ich dann noch mal zum Essen eingeladen. Dann lerne ich wohl auch den Xintiandi kennen (nee, kein attraktiver Single, sondern ein chinesisches Vorzeigeviertel der alten Art, wenn ich es richtig verstanden habe.
1.11.07 02:56


Die letzten Tage brechen an ...

… und ich bin jetzt schon ein bisschen traurig. Zumal ich anfange, Menschen kennen zu lernen, die mich interessieren und zu denen ich gern weiter Kontakt pflegen würde. Vielleicht auch Freundschaften schließen. Sind aber eben alles nur Anfänge und es wäre illusorisch anzunehmen, dass sich das über 9.000 km hält, auch wenn es über das Internet alles ein bisschen einfacher ist. Ich merke auch, dass ich jetzt, wo es sich dem Ende meines Aufenthaltshalts nähert, gar nicht mehr so enthusiastisch blogge. Vielleicht, weil mir dann noch klarer wird, dass es bald vorbei ist (vielleicht auch, weil ich im Moment gedanklich sehr mit meinem überfüllten Koffer beschäftigt bin &hellip.

Im Hanyuan hatte ich heute und gestern zwei wunderbare Tratsch- und Lästerstunden. Wir haben herrlich über die Anwesenden der Partie getratscht, alles natürlich fein säuberlich in Unterricht verpackt und Vokabeln notiert … Die zwei Nachmittagsstunden waren dann allerdings ein Graus: Wir haben einen Zeitungsartikel bzw. auch einen Blog-Eintrag bearbeitet, von dem ich jedes zweite Zeichen nicht lesen konnte und jedes dritte nicht verstanden habe. Nach der ersten Stunde ist das wohl auch meiner Lehrerin aufgefallen und sie hat umgeschwenkt, so dass wir bei Filmen und Legenden angelangt sind. Eine hatte unter anderem mit Pangxie-Essen zu tun. Leider wurde mir das erst nach dem Fest erzählt, weil es in jeder dieser Krabben im Bauch etwas hartes gibt, das man nicht essen kann, auf dem sich aber so etwas wie ein Gesicht befindet. Das ist ein Böser, wenn ich mich recht erinnere, der gefressen wurde. In jeder, wirklich jeder dieser Pangxie-Krabben gibt es dieses Gesicht und es hat Augen- Augenbrauen und Mund (bei der Nase bin ich mir nicht mehr sicher). Sollte ich jemals in meinem Leben wieder Pangxie essen, ich guck nach!

Ansonsten gibt es von heute nicht ganz so viel zu berichten. Ich war in der Taikanglu. Dort gibt es eine Wohnsiedlung, die aus alten H usern besteht, die wieder hergerichtet werden und wurden. In diesen Häusern sind jetzt einige Designerläden untergebracht und jede Menge Restaurants und Cafes. Es ist schön dort, weil es ruhig und hübsch ist (im Gegensatz zum übrigen Shanghai). Allerdings ist es auch irgendwie nicht wirklich chinesisch, sondern wirkt eher westlich.

Nach dem Unterricht wollte ich dann nach Hause fahren. Die Ayi der Schule hat mich gefragt, ob ich denn schon zu Abend gegessen hätte (um ca. 19.30 Uhr für Chinesen wohl eher undenkbar, dann noch nichts zu sich genommen zu haben). Als sie an meiner Antwort merkte, dass ich noch gar nicht so recht entschlossen war, essen zu gehen (zweimal volle Mahlzeit am Tag schlägt sich doch irgendwie auf der Hüfte nieder), hat sie mich kurzerhand zur nächsten kleinen Schnellküche gebracht und für mich mal was “Vernünftiges” bestellt. War irgendwie süß und ich war auch richtig zufrieden, weil es lecker war (Schweinefleisch mit Paprika, Kohlgemüse, Reis und Suppe).

Danach hab ich mich dann auf den Weg gemacht und hab mit Lina noch ein bisschen Seifenoper geguckt und mit ihr über ihre Schwangerschaft, die Untersuchungen und die Krankenversicherung gesprochen. Tatsächlich gibt es hier wohl eine Krankenversicherung, aber Schwangerschaft und Geburt deckt sie nicht ab. Lina hat mir erzählt, dass sie es ganz furchtbar findet, zu diesen Untersuchungen zu gehen, weil sowohl Ärzte als auch Krankenschwestern unglaublich unfreundlich seien. Ganz zu Anfang ist sie zu einem sehr berühmten Arzt hier in Shanghai gegangen, der besonders unfreundlich war und sich noch dazu verrechnet hatte, was den Fortschritt der Schwangerschaft betrifft und was dann dazu geführt hat, dass sie den Embryo nicht entdecken konnten und der Arzt ihr sagte, dass dann mit ihrem Kind wohl etwas nicht in Ordnung sei. Lina hat dann selbst nachgerechnet und festgestellt, dass es noch viel zu früh war, um überhaupt etwas sehen zu können (ich glaube allerdings in Deutschland wäre es schon möglich gewesen, vielleicht sind die Geräte hier nicht auf dem neuesten Stand). Abgesehen davon musste sie sich von morgens 9 bis nachmittags um 5 in diesem Krankenhaus aufhalten, weil sie ewig warten musste auf den “berühmten” Arzt und die restlichen Untersuchungen. Jetzt geht sie in ein weitaus billigeres Krankenhaus und ist nach ca. zwei Stunden fertig, aber unfreundlich sind sie immer noch alle. Das internationale Krankenhaus in Shanghai ist ein vielfaches teurer als die chinesischen.

Heute morgen bin ich zum ersten Mal so richtig schlecht aus dem Bett gekommen und war den ganzen Tag über tierisch müde. Keine Ahnung wieso. Vielleicht liegt es am Wetter. Es ist hier jetzt richtig kalt geworden (18°C ungefähr) und alle laufen schon in Stiefeln und recht warmer Bekleidung herum. Ich habe nur eine einzige lange Hose dabei und keinen Pullover, sondern nur T-Shirts. Kaufen will ich nichts mehr (Kofferproblem, siehe oben L). Jetzt gehe ich ins mummelige Bett und hoffe noch mal auf Sonnenschein morgen.

31.10.07 02:49


29.10.2007 Zhanglang ... und es gibt sie doch ...

… die Kakerlaken. Allerdings hab ich bis jetzt nur sehr selten eine gesehen. Und die, die ich sehe, scheint erstens immer dieselbe zu sein (in unserer Küche) und zweitens sucht sie immer ganz schnell das Weite, sobald sie mich sieht. So ist´s recht. Vielleicht fürchten sich Kakerlaken ja auch vor Ausländern?

Die letzten Tage brechen an und ich denk drüber nach, was ich alles falsch gemacht und verpasst habe. Vieles habe ich nicht gesehen, vieles habe ich doch gesehen, aber nicht im Foto festgehalten, manches hätte besser laufen können, ich bin mit meinen Fortschritten unzufrieden, obwohl ich sehe, dass ich welche gemacht habe, freue mich auf Good Old Germany, vermisse aber jetzt schon die Großstadt und das Chinesisch. Chinesische Gesichter beginnen für mich klarer zu werden. So wie ich in Deutschland erkenne, wer mir sympathisch ist oder nicht, so geht es mir jetzt hier auch mit den chinesischen Gesichtern. Viele erinnern mich sogar an einen bestimmten “Typ” Deutscher, ich glaube Charaktereigenschaften ablesen zu können und einige erinnern mich sogar an westliche Freunde. Es wird alles vertrauter und ich glaube, dass ich erst jetzt ein bisschen angekommen bin.

Ich sehe viel mehr Details, wie z.B. heute morgen die Kindergartenkinder, die die Straßeüberquert haben und für die ein großes rotes Band mit gelben Schriftzeichen über die Straße gespannt wurde, damit sie sie sicher überqueren können. Gehalten wurde das Band von zwei Uniformierten, die irgendeine Art von Wach- oder Sicherheitsfunktion haben, von denen der eine aber fröhlich mit jeweils einem Bengel an jeder Hand hinter allen hergelaufen ist. War schön anzusehen. Angeblich wird jetzt auch ein wenig Druck von den Kindern genommen, wenn sie in der Schule sind. Sie scheinen keine Prüfungen mehr in der Grundschule zu machen. Shuping erzählte mir auch, dass sie selbst keinen Druck auf Jing ausüben wegen guter Noten, sondern dass sie es ihr selbst überlassen, wie viel und wie hart sie lernt. Natürlich würden sie sie daran erinnern, wie wichtig es ist, in einem so großen Land mit so vielen Menschen zu den Besten zu gehören. Aber wenn sie nicht will … Wie bei uns auch? Oder doch noch ein großer Druck? Ich weiß es nicht.

Ich jedenfalls bin heute ohne Druck zu machen, noch mal zum Optiker, weil ich mit meiner Brille todunglücklich war. Fand wirklich, dass die Gläser in einer Form geschliffen waren, die hervorragend zur alten Taitai oder zum alten Opa gepasst hätte. Also hatte ich mich schweren Herzens entschlossen, den unteren Teil meiner Gläser abschleifen zu lassen, der allerdings fürs Lesen war. Da hatte ich aber nicht mit meiner kleinen Optikergehilfin gerechnet. Sie erklärte mir, dass das nun aber wirklich nicht ginge, denn dann wäre das ja rausgeschmissenes Geld. So teure Gläser und einfach was wegmachen, das ginge doch nicht. Ja, stimmt, habe ich geantwortet, aber wenn ich die Brille nicht aufsetze, ist das Geld auch rausgeworfen. Sie war die ganze Zeit freundlich, aber bestimmt, und ich war auch freundlich und auch bestimmt. Plötzlich tauchte die Chefin auf, und es war mir hochnotpeinlich, weil ich wirklich keinen in Schwierigkeiten bringen wollte, da ein Großteil ja von mir selbst verschuldet war. Das erklärte ich dann auch der Chefin, die aber sagte: “Nö, das ist weder dein noch unser Fehler, wir müssen nur ne Lösung finden.” Das hatte die kleine auch schon gesagt, nur war ich mir nicht ganz sicher, an was sie da so gedacht hatte. Folgendes wurde dann angeboten: man würde mir billige, einfache Gläser zum Weitgucken in einer schickeren Form in den bereits vorhandenen Rahmen machen und mir die teuren Gläser mitgeben, so dass ich sie jederzeit in einen anderen einbauen lassen könnte, z.B. in  einrahmenloses Gestell. Berechnen würde man mir dafür nichts. Hmmh, will ich das? Besser als gar nichts, weil man sich nach wie vor weigerte, die teuren Gläser zu misshandeln. Also gut! Als ich dann so wartend und mich langweilend in dem Brillenstand herumsaß, habe ich natürlich angefangen, mich nach rahmenlosen Brillengestellen umzusehen und hatte auch schnell eines gefunden, dass mir gefiel. Der Preis war absolut okay (dafür würde kein deutscher Optiker 1 Glas schleifen), die Gläser hatte ich schon , also wurde kurzerhand die zweite Brille angefertigt. Aber auch hier wurde trotz meines Bettelns weiterhin auf der Größe der Brillengläser bestanden. Ich bin jetzt trotzdem oder vielleicht gerade deswegen zufrieden und die anderen sind es - glaube ich - auch.

Meinen Qipao habe ich heute auch bei der Schneiderin abgeholt, festgestellt, dass er zu weit ist. Sie hat nach eigener Aussicht befürchtet, ich sei doch dicker als ausgemessen L … War aber kein Problem, sie hat ihn umgeändert, während ich bei ihr die Seifenoper gucken konnte (erstaunlicherweise habe ich richtig viel verstanden &hellip und zum Abschied hat sie mich sogar gedrückt. Ich solle auf jeden Fall wieder vorbeikommen, wenn ich wieder in Shanghai bin. War schon nett irgendwie…

30.10.07 04:19


28.10.2007 Pangxie hoch Zwei

Gestern wurde ich von Shuping hier im HanYuan abgeholt. Um 8.00 Uhr musste ich stramm stehen. Pfiffig wie ich bin, hab ich mich schon früher auf den Weg gemacht, damit ich noch in Ruhe zwei Tassen Kaffee trinken kann. Aber es kam, wie es kommen musste: Shuping war schon um 7.45 Uhr hier. Das hieß, zwei Tassen Kaffee und zum Bahnhof im Galopp. Auf dem Hinweg hat sie dann festgestellt, dass sie die Zugfahrkarten statt für 9.15 Uhr morgens, für 21.15 Uhr gekauft hatte. Ist aber offensichtlich kein Problem gewesen, wir sind trotzdem in den Zug um 8:58 Uhr gestiegen und haben uns in den Speisewagen gesetzt. Mit den früheren Hardseaters war das überhaupt nicht mehr zu vergleichen. Hatte schon IC/E-Niveau. Allerdings gibt es noch ausreichend von den anderen Zügen, in denen es nicht so gepflegt und zivilisiert zugeht. Wir sind dann bis nach Kunshan gefahren und Jings Vater hat uns dort mit dem Auto abgeholt. Schönes Auto, aber über 100 km/h wurde es doch etwas rappelig.

Wir sind zu einer Art chinesischem Venedig gefahren (ca. 1 Stunde Fahrt), wo wir von Jings Vater abgesetzt wurden. Er hat dann auf uns gewartet, bis wir mit dem besichtigen der unzähligen Museen auf dem Gelände fertig waren. Dieses Wasserdorf ist zwar wie ein Park zum Besichtigen aufgemacht, aber in diesem Dorf wohnen nach wie vor die Einwohner, die sich ihr Geld damit verdienen, dass sie an Touristen (hauptsächlich chinesische, japanische und taiwanesische) diverse Kleinigkeiten verkaufen, sie mit Mittag- und Abendessen versorgen und mit dem Boot durch kleine Wasserstraßen führen. Während eine der Frauen, die das Boot durch´s Wasser staken, wird auch manchmal kräftig gesungen. Ein bisschen nach dem Motto je lauter, desto mehr Trinkgeld. Shuping mag die Lieder sehr, für mein europäisches Ohr war es sehr gewöhnungbedürftig, aber klasse war es schon irgendwie.

Zum Mittagessen haben wir uns dann mit Shupings Mann in einem kleinen Restaurant getroffen und es gab die Spezialität der Gegend und Jahreszeit: Pangxie. Das sind Krabben und hier wird auf´s heftigste diskutiert, welche bei wem und in welcher Gegend am besten sind. Jings Eltern waren absolut sicher, dass es dort die besten gibt und deswegen wurden die auch gegessen, obwohl ich am abend im HanYuan noch an einer Pangxie-Party teilnehmen würde. Das Essen selbst ist sehr schwierig, weil man alles mögliche knacken und das kleinste Fitzelchen aus den Ecken holen muss. Hat man die obere und untere Hälfte des Leibes erst mal getrennt, gibt es weiches, weißes und gelbes Fleisch, dessen Konsistenz mir nicht grad entgegenkam. Da waren mir die Beinchen doch schon lieber, auch wenn das Fleisch dort nur rar war. Interessantes Essen, aber nicht wirklich mein Lieblingsgericht. Eine Krabbe braucht ca. eine ¾ Stunde … Danach und währenddessen gab es noch ein wenig Gemüse dazu und eine wunderbare Hühnersuppe, allerdings mit Haut und Kralle. Ohne Worte … Lecker war sie aber!

Danach sind wir wieder mit dem Auto zum nächsten Park gefahren. Dort ist ausgestellt worden wie die Hauptpersonen zu Zeiten des Hongloumeng (“Traum der Roten Kammer) gelebt haben. Sehr schön gemacht und irre groß. Shuping wusste über jedes Haus, über jede Ehefrau, Konkubine, Tochter, Schwester und noch viele andere die Geschichte und hat mir alles detailliert erklärt. Fiel mir aber trotzdem schwer, sie immer zu verstehen.

Beide haben bedauert, dass meine Zeit so kurz ist und mehrmals betont, wie gern sie meine Kinder bei sich aufnehmen würden, wenn sie mal China bereisen wollten. Beide sind superlieb und warmherzig und es tut mir richtig leid, dass ich mich in Chinesisch so schlecht ausdrücken kann. Wenn ich es richtig verstanden habe, kommt Shuping am Mittwoch noch mal ins HanYuan, um mir ein paar Sachen für Jing und die Kinder mitzugeben.

Nach der zweiten Besichtigung haben wir uns dann auf den Weg nach Shanghai gemacht. Dabei haben wir dann ca. 1 Stunde im Stau gestanden, um überhaupt nach Shanghai reinzukommen. Für die Benutzung der Autobahnen müssen übrigens Gebühren bezahlt werden und wer in Shanghai Auto fahren will, muss für ein Nummerschild erst ma. 50.000 Renminbi hinblättern. Das sind ca. 5.000 Euro. Danach kann man erst ein Auto kaufen und zulassen. Entstanden ist das wohl, weil die Regierung die Zulassungen beschränkt  und sich dadurch eine Börse für Zulassungen entwickelt hat.

Ich wurde dann direkt am HanYuan abgesetzt und wollte ursprünglich noch nach Hause fahren, um mich für die Party umzuziehen. Es war 17.00 Uhr und um 18.30 Uhr sollte es losgehen. Mein Vermieter war allerdings auch schon da und meinte, dass sei doch wirklich Quatsch. Ich war noch unschlüssig, aber dann haben wir an der Theke gesessen und über die mitgebrachten alkoholischen Spezialitäten geplaudert. Tja, und als wir dann das Plaudern aufgegeben und mit dem Probieren angefangen hatte, habe ich Spontaneität und Flexibilität gezeigt und bin einfach geblieben. War ne gute Entscheidung! Lecker war es und lustig wurde es später auch. Ein paar Japaner haben mich angequatscht und letztlich ist ein junger, gutaussehender Mann auf mich zugekommen, der sein Bedauern darüber ausdrückte, dass wir uns fast jeden Tag im HanYuan sehen, aber nicht mit einander gesprochen hatten bisher. Er sah ziemlich deutsch aus, sprach Chinesisch und stellte sich als Italiener heraus. Ein blonder Italiener, wo gibt es denn so was? Noch dazu einer, der recht schüchtern und zurückhaltend wirkt.

Wir saßen dann mit einem japanischen Ehepaar zusammen. Sie sprach gut Deutsch und er gut Chinesisch. Die beiden Japaner hatten es irgendwie geschafft, die Krabben unbeobachtet zu essen,und der Italiener und ich haben eine filmreife Vorstellung gegeben (ich könnte nicht sagen, welche Krabben jetzt besser waren, ich find sie nur unglaublich umständlich zu essen). Mein Part bestand darin, mich einzusauen und sein weißes Hemd blieb weiß wie Meister Proper. Manno! War also eine sehr lustige Runde, die dann einstimmig beschlossen hat, dass 21.30 Uhr eindeutig zu früh zum Heimgehen ist (die Party war da beendet). Also haben wir noch in einen Pub in der Nähe aufgesucht, in dem ich zeigte, was ne “echte” Deutsche ist. Die anderen haben eher alkoholische Kleinigkeiten bestellt, ich den halben Liter dunkles Paulaner. Hmmm, lecker. Nach und nach stellte sich dann raus, dass auch ein Japaner mal Witze über Männer und Frauen reißen kann, seine Frau das gar nicht peinlich findet, sondern kräftig mitlacht und der Italiener sich drei Ziele gesetzt hatte., als er nach Shanghai kam. Wohnung finden, Schule für Chinesisch finden waren seine beiden ersten Ziele. Die hat er schon erreicht. Jetzt arbeitet er am dritten: Freundin finden. Der Japaner erkundigte sich hochinteressiert, wie denn seine Traumfrau aussehen musste, und leider musste ich feststellen, dass ich nicht ins Beuteschema passe (war nicht wirklich ne Überraschung). Bei 40 (er ist 25) war seine Schallgrenze ). Tja, und ich denke, er hat ohnehin eher an ein schwarzhaariges Wörterbuch gedacht. War einfach schön mal so rumzublödeln. Werde demnächst mal nachfragen, ob schon was bei der Suche rumgekommen ist. Nee, watt is so´n leichter Plauderton bei einem leckren Bier doch schön … Todmüde bin ich dann um 0.00 Uhr ins Bett gefallen, nachdem ich mich entschlossen hatte, mir den Luxus zu goennen und ein Taxi zu nehmen … dabei musste ich dann aber doch feststellen, dass es eine echte Herausforderung ist, nach diversen Schnaepsen und Bieren dem Taxifahrer Xujiahuiluzhizaojululukou entgegenzuschmettern (meine Adresse) und dann auch noch Haltung zu bewahren ...
29.10.07 11:25


26.10.2007 Blaue Flecken

Bei all meinen geistigen Ergüssen hab ich ganz vergessen zu erwähnen, dass meine blauen Flecken an der Hüfte inzwischen verschwunden sind. Kein Scherz! Das Bett ist so hart, dass ich als nicht wirkliches Fliegengewicht mir blaue Flecken an der Hüfte sprichwörtlich “zugelegt” habe. Inzwischen hab ich mich aber ans harte Leben/Liegen gewöhnt und kann es sogar genießen, abends kaputt in mein Bett zu steigen. Find es sogar richtig gemütlich. Wenn ich nach Haus komme, ist unser Wasserbett bestimmt der Himmel auf Erden.

Hab ich schon von den Brautläden hier erzählt? Die gibt es zuhauf, insbesondere auf der Huaihailu. Glanzvolle, große Geschäfte, die sich komplett nur mit der Hochzeit beschäftigen. Das fängt schon mal mit ein bis zwei Fräuleins an, die die Willigen an der Tür empfangen. So weit ich es von draußen beobachten konnte, wird man dann in einen Bereich des Geschäfts geführt, wo man zunächst mal gemütlich mit Getränk an einem Tisch sitzt und Hochglanz-Kataloge wälzt. Was genau dort besprochen wird, weiß ich natürlich nicht. Aber ich hab gesehen, dass es einen zweiten Bereich gibt, in dem die Braut dann hergerichtet wird. Die Bräute sitzen sozusagen zu jeder Tageszeit dort vorm Spiegel und es wird große Maske gemacht. Unglaublich, mit welchem Aufwand das ganze betrieben wird. Ist das bei uns auch so? Ich hab ja keine traditionelle Hochzeit gehabt, d.h. das weiße Kleid und die Maske fielen weg. Vielleicht kenn ich mich ja mit unseren Sitten zu wenig aus. Das ganze geschieht allerdings absolut ohne Intimsphäre. Die Bräute sitzen quasi auf einer der größten Einkaufsmeile auf dem Präsentierteller, weil jeder durch das Schaufenster reingucken kann. Mir wär´s nix.

Außerdem habe ich erfahren, dass manche Frauen es bereuen, dass sie keine so schönen Hochzeitsfotos haben und nach 20 Jahren Ehe einfach noch mal in den Brautsalon gehen. Aber dann mit allem Schnick und Schnack. Notfalls werden dann ein paar Falten oder Pfunde wegretuschiert. Habe sogar von der Mutter einer meiner Lehrerinnen gehört, dass sie so gern noch mal Fotos machen wollte, ihr Mann aber nicht, da ist sie dann eben allein gegangen. Vielleicht gar nicht so uninteressant? ;-))

Wo wir grad bei Frauensachen sind: Was bei uns die Tante Rosa ist, die zu Besuch kommt, ist hier der “alte Freund, der gekommen ist”.

Heute abend ist eigentlich Ausgehen angesagt, aber es gibt keinen, der mit mir ausgeht … Bin ich nicht bedauernswert? Werde vielleicht allein essen gehen, ich mein richtig essen gehen und nicht nur sozusagen an der Ecke den Schnellimbiss bemühen. Das ist wirklich ein Nachteil, wenn man hier allein anreist.

Mein Chinesisch macht Fortschritte und hin und wieder kriege ich sogar ein echtes Lob meiner Lehrer, statt des üblichen “Verstehe, was du meinst.“ Trotzdem ist es noch so furchtbar, dass ich kaum unser Schulsystem auf Chinesisch beschreiben kann, ohne wie ein Vollidiot zu klingen. Vielleicht liegts ja am Schulsystem …?

Immer wieder bin ich erstaunt über die Höflichkeit im HanYuan. Das liegt aber wohl wirklich am japanischen Führungsstil. Wenn man hier zum Unterricht erscheint, wird man wie ein Fürst begrüßt und sofort gefragt, was man trinken möchte. Warten kann man dann in der Kafei-Bar und wird von seinem Lehrer oder der Lehrerin abgeholt. Das Getränk, das man vielleicht noch nicht ausgetrunken hat, wird vom Lehrer nach oben getragen und es wird peinlichst darauf geachtet, dass man vorgelassen wird, alle sind immer superhöflich, die Tür wird geöffnet usw. Früher hätte ich es vermutlich etwas unangenehm gefunden, momentan kann ich es ehrlich gesagt sehr genießen.

So, so wie es aussieht, werde ich wohl erst wieder in zwei Tagen bloggen können. Aber es ist ja auch schon ne Menge zusammengekommen. Ich hoffe, es macht immer noch Spaß, auch wenn ich keinen sehr aufregenden Schreibstil habe.
26.10.07 09:45


25.10.2007 Friseur

Heute mach ich´s kurz. Habs jedenfalls vor, denn bisher wollte ich bei jedem Eintrag nur schnell was berichten.

Dank meiner Laufpartnerin bin ich ich heute mitsamt der mitgebrachten Haartönung in einen Friseurladen gegangen. Mir war etwas mulmig, weil ich das Thema gestern beim Abendessen angeschnitten hatte und Lina und ihr Mann nicht sicher waren, ob das wirklich eine gute Idee ist. Er hat mir erklärt, dass es überhaupt kein Problem sei, wenn man dem Friseur erklärt, wie man die Haare haben will. Er würde immer schon nicken und sagen, ja, klar, machen wir, aber hinterher sähe es ganz anders aus. Aber mutig wie ich bin, hab ich mich auf eine meiner Lehrerinnen verlassen, die mich zu ihrem Friseur geschleppt hat. Im Laden haben wir erst mal erklärt, was ich will (bitte keine Altfrauenfrisur und die eigene Haarfarbe usw. Ja, klar, machen wir, kein Problem … Wahhhh, soll ich doch lieber wieder rausgehen. Nö, hab ich gedacht, Haare wachsen ja auch wieder. Lustig war´s und ganz anders als in Deutschland. Hier dürfen die Mädels nur Haare waschen und Farbe auftragen und die Männer sind die Schneidemeister. Zumindest ist es meistens so. Die junge Frau, die mir den Kopf gewaschen hat ;-)), war völlig fasziniert und hab mich über Deutschland ausgefragt. Beim Haarewaschen liegt man hier übrigens, äußerst angenehm, drückt nicht so im Nacken. Als sie dann endlich die Farbe aufgetragen hatte, dachte ich, super, jetzt kann ich ja noch ein bisschen für den Unterricht vorbereiten, aber sie wich mir erst wieder von der Seite, als der Meister ans Werk ging. Der Meister fragt also: “Wie soll´s denn sein?” Ich sage: “Ungefähr wie bei ihm dort!” Der Meister sagt: “Ungefähr geht nicht!” Hier war ich mit meinem Chinesisch definitiv am Ende (spätestens). Aber siehe da, Fotos sind doch sehr hilfreich. Nachdem ich mir dann einen Haarschnitt ausgesucht hatte, ging er mutig ans Werk und diskutierte mit mir angeregt darüber, wer denn nun besser sei, Tom oder Jerry (ich hatte einen chinesischen Tom und Jerry-Comic dabei). Wir waren eindeutig nicht derselben Meinung. Er fand Tom besser und ich Jerry. Schlechtes Omen für meine Frisur? Nee, er hat wirklich super geschnitten und ich bin mehr als zufrieden, was irgendwie nicht zu erwarten war, wenn über sein Outfit seine Fähigkeiten als Friseur beurteilt hätte. Er sah ziemlich flippig und ein bisschen heruntergekommen aus. War aber alles in allem eine lustige Erfahrung. Besonders interessant war die Reaktion der Lehrerinnen am HanYuan: “Sieht richtig gut aus, wenn dein Mann eine Probleme damit hat …”

In der Schule habe ich dann mal nachgefragt, wie es denn wohl mit den chinesischen Friseure so wäre. Ob da auch die meisten schwul sind. Ist aber angeblich nicht so. Allerdings glaube ich das noch immer nicht so wirklich, vielleicht kann mir ja jemand aus der Heimat mehr dazu sagen?

Anschließend hab ich noch ca. 1 ¼ Stunde in der Bank of China zugebracht, nur um Geld zu tauschen. Hier in Shanghai ist wirklich alles super einfach zu regeln, aber Bankgeschäfte sind ein absoluter Graus. Selbst Chinesen regen sich dort auf, weil es alles zu langsam geht.

Mein Unterricht war heute hochinteressant. Wir haben eine Unterrichtsstunde über die Vorzüge und Nachteile der Männer in “Desperate Housewives” diskutiert. Das hat absolut Spaß gemacht. War echt witzig. Wir konnten gar nicht aufhören und haben auch Bree, Susan, Lynette, Gabrielle usw. durchgehechelt. Kamen unglaublich viele äußerst wichtige und brauchbare Vokabeln bei raus. Jetzt weiß ich auch, was Klatschbase und Seitensprung heißt … Anschließend sind wir fast nahtlos bei Greys Anatomy und House gelandet. Gut, dass ich so ein Fernsehjunkie bin …

Über ein Netzwerk hab ich heut erfahren, dass am Samstag ein recht großes China-Europa-Meeting in der Tongji-Daxue stattfindet. Bin eingeladen worden und werde vermutlich dort hingehen. Ca. 200 Personen aus allen möglichen Bereichen werden teilnehmen, um über Geschäfte und Zusammenarbeit zu reden. Wer weiß, was sich da alles auftut? Vielleicht nichts? Aber wenn ich nicht hingehe, weiß ich auch nicht, ob. Diese Veranstaltung ist am Nachmittag und dann gibt es noch eine zweite am Abend, die - glaube ich - etwas ungezwungener ist. Ein Stammtisch von Expats und allen, die sich in irgendeiner Form für China oder Shanghai interessieren. Da wollte ich mich auch mal blicken lassen. Deswegen musste ich leider meine Verabredung mit Shuping etwas abändern. Wir treffen uns jetzt erst am Sonntag, dafür aber sehr früh …. Ausschlafen ist irgendwie nicht in Shanghai. Den Rückflug werde ich wahrscheinlich komplett durchschlafen (wäre jedenfalls schön, was bleibt ist die Hoffnung).
26.10.07 06:17


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