Startseite
  Archiv
  Gästebuch
  Kontakt

Webnews



http://myblog.de/bbshanghai

Gratis bloggen bei
myblog.de





Die ersten Tage in Shanghai

12.10.2007

Endlich geht´s los! Nach einem schönen Lauf heute morgen (offensichtlich aufgrund des angestiegenen Adrenalinspiegels schneller und leichtfüßiger als üblich &hellip, habe ich mich dazu durchgerungen erheblich früher loszufahren, da die Zugsituation wegen der Streiks doch sehr unsicher war. Der ICE ist mehr oder weniger pünktlich abgefahren, trotz Platzreservierung für einen anderen Zug hab ich dennoch einen Sitzplatz bekommen und bin jetzt schlappe 5 Stunden vor Abflug  in Frankfurt auf dem Flughafen. Was soll´s? Ist doch auch schon ein Reiseerlebnis: etliche Stunden abbummeln mit 10 kg Handgepäck … Was will ich mehr?

Im Ernst, bin trotzdem recht froh, dass meine lieben Freundinnen mich so rechtzeitig auf den Weg gebracht haben. Danke nochmals dafür!

Eine Stunde Rumhängen hab ich schon mit Zeitungslesen “abgearbeitet” und ca. 10 Minuten fasziniert zwei Sannyasinns (nehme an, dass es welche waren, waren komplett rot gekleidet) beobachtet. Eigentlich hab ich nur sie beobachet. Es war ein Pärchen und er wirkte sehr entspannt, wie es sich eben gehört, während sie höchst geschäftig nach Essen und Getränken im Koffer kramte und überhaupt nicht zur Ruhe kam. Eine weitere halbe Stunde hab ich am Schalter meiner Airline gestanden und schockiert beobachtet, wie die ganzen Chinesen vor mir ihr Gepäck auf die Waage gestellt haben, um es dann wieder runterzunehmen und damit wieder wegzugehen. Hab flugs überlegt, wie viel mehr als 20kg ich wohl im Koffer habe und was davon ich noch rausnehmen und in mein Handgepäck stopfen kann (laut telefonischer Auskunft der Airline waren 30kg erlaubt). Mit leichter Panik und äußerst freundlich-sympathieträchtigem Lächeln hab ich den Koffer auf die Waage gehievt, um dann festzustellen, dass Panik gar nicht angesagt war, sondern dass die anderen lediglich alle noch mal zum Zoll mussten. Ich nicht!!!

Mit tollem Beinfreiheit gewährendem Sitzplatz am Notausstieg sitze ich nun erleichtert in einem Café, trink meinen Cappuccino und find es ganz blöd, dass ich jetzt nicht mit Netz-, sondern nur mit Akkuspannung hier reinhacken kann. Werde den Akku jetzt schonen und vielleicht nachher noch mal schreiben. Gedanken gäbs genug! Sind ja nur noch schlappe 2,5 Stunden bis zum Boarden ;-))

13.10.2007
Angekommen, Zimmer bezogen. Ein bisschen unangenehm, weil meine Gastfrau schon bemerkt hat, wie viele Sachen ich habe. Chinesen reisen offensichtlich mit kleinerem Gepäck … Obwohl das nicht wirklich stimmt, nach dem, was ich gestern auf dem Flughafen beobachten konnte.

Zeit vertreiben hat gestern abend noch recht gut geklappt, der Flieger startete mit nur 22 Minuten Verspätung, die waren wir dann aber auch früher in Shanghai. Wie das geht, weiß ich nicht, fand ich jedenfalls klasse. Das ewige Sitzen im Flugzeug war irgendwann wirklich furchtbar. Hab trotzdem einigermaßen schlafen können und bin zwar müde, muss aber nicht gleich ins Bett fallen. Schließlich gibt’s heute abend mein Leibgericht: Jiaozi! Freu mich schon drauf, wenn´s auch sicher ne Herausforderung mit den Stäbchen bedeutet.

Abgeholt wurde ich - wie vereinbart, ich war nicht sicher, ob ich darauf vertrauen konnte - von einer 24-jährigen Lehrerin namens Yao Lan. Sie selbst ist über ihren Namen ein wenig unglücklich, hat irgendwas damit zu tun, dass es an Ahnentum erinnert. Ein sehr lebhaftes Wesen, ich glaub auch recht pfiffig und gut organisiert. Sie hat mich ins Taxi gepackt, wir sind zur Schule gefahren (mehr als eine Stunde vom Flughafen aus), mir unterwegs erklärt, dass ich erst mal meinen Stundenplan kriege (10-12 und 1-3 Uhr), dann gehen wir eine Handykarte kaufen, anschließend eine Karte für die öffentlichen Verkehrsmittel, dann essen, dann zurück zur Schule, mit meiner Gastfrau (die im übrigen die Schulleiterin ist) Kontakt aufnehmen, damit sie mich zu sich nach Hause bringt. War auch mehr oder weniger alles so, nur dass wir die U-Bahn- und Buskarte irgendwie vergessen haben.

Mein Chinesisch ist wohl doch nicht so furchtbar, wenn man deutlich mit mir spricht. Ging bisher alles ganz gut und nur einzelne Wörter auf Englisch. Bin selbst ein wenig erstaunt.

Ich staune ganz mächtig über Shanghai. Zwar war mir klar, dass es sich  stark verändert haben musste, aber dass es sich kaum noch von einer anderen Großstadt in Europa unterscheidet, wenn da nicht die chinesischen Schriftzeichen wären, hatte ich nicht ganz so erwartet. Allerdings habe ich auch größtenteils das Viertel gesehen, wo am meisten Einkaufsmeile existiert …

Das Essen war gut, auf meiner chinesischen Mobilfunkkarte kamen einige seltsame Hyroglyphen-SMS an (anscheinend vom Provider, der Chinesisch mit mir sprechen will, was mein Handy aber nicht kann &hellip. Dafür kann es aber Telefonanrufe aus Deutschland empfangen. Hab schon mit meinen Lieben daheim telefoniert (aus Deutschland 1,3 Cent die Minute!!!), allerdings war die Verbindung anfangs ein wenig schlecht. Vielleicht lohnt es sich ja, 1,6 Cent die Minute zu zahlen ….

In der Wohnung angekommen (12. Stock, Aufzüge getrennt nach graden und ungraden Stockwerken), hab ich mein Zimmer gezeigt bekommen, das ausreichend groß ist, auch ein wirklich breites Bett hat (ca. 120cm) und offensichtlich demnächst als Kinderzimmer dienen soll (Babybett steht schon drin, meine Gastfrau ist im ca. 7. Monat schwanger). Die Wohnung ist ca. 60 m² groß, modern und freundlich eingerichtet, kaum zu unterscheiden von unserer europäischen Einrichtung. Das Einzige, was ein bisschen irritiert ist die Wäsche, die über der Leuchtenschiene getrocknet wird. Der Gastmann hat mir gleich gezeigt, wie ich ins Internet komme (er ist übrigens Japaner und auch Schüler in meiner Schule), allerdings ist das ihr Zugang und ihr Computer, d.h. noch bin ich nicht mit dem Notebook im Netz, was ich allerdings gern noch irgendwie hinkriegen möchte. Aber für heute reichts mir erst mal, bin doch recht erschöpft, wie ich jetzt merke …

14.10.2007
Hab ausgiebig geschlafen, war auch nötig nach der Reisetortur. Wegen der Lokführerstreiks hab ich mich ja schon um 11.30 Uhr mit Marian und Kiki auf den Weg gemacht, da war es dann 16.30 Uhr in China. Ins Bett gekommen bin ich dann gestern um ca. 23.00 Uhr nach hiesiger Zeit. Das heißt, ich war insgesamt 30 ½ Stunden unterwegs. Auf den Beinen war ich etwas länger, bin Freitag morgen ja um 6:45 Uhr aufgestanden. Mein rechter Hüftknochen hat jetzt übrigens einen blauen Fleck, da mein Bett zwar gemütlich aussieht, aber unter dem hübschen Bettlaken lediglich so etwas wie ein Brett ist. Ich hätte es wissen müssen, war früher auch schon so, aber ist schließlich lange her.

Gestern abend war es noch richtig schön. Lecker Jiaozi haben wir gegessen, Mingcun, der Gastmann, hat mich gefragt, ob ich wohl auch Bier trinke und sich - so glaube ich - gefreut, dass er einen Mittrinker gefunden hat. Mingcun ist übrigens Japaner, von daher bin ich jetzt also in einem halb japanischen, halb chinesischen Haushalt. Meine Gastfrau hat 3 Jahre in Japan gelebt, ist dann wieder nach China gegangen und Mingcun hinterher. Er lernt jetzt in ihrer Schule Chinesisch. Manchmal fällt es mir schwer, sein Chinesisch zu verstehen, obwohl es gut ist, aber er hat eben eine japanische Aussprache. Nach dem Essen wollte ich schnell ins Bett, hat aber irgendwie nicht geklappt, weil wir noch versuchen wollten mein Notebook ans Netz anzuschließen. Hat auch nicht geklappt, dafür habe ich aber ein paar Fotos von meiner Familie, unserem Urlaub in Kroatien gezeigt und auch ein wenig von unserem Haus. Die beiden waren ziemlich beeindruckt, weil es ja doch recht groß ist im Vergleich zu den hiesigen Verhältnissen.  Als ich allerdings sagte, dass es auch 30 Jahre dauert, bis es uns gehört, waren sie waren sie zwar immer noch beeindruckt, aber sicher aus anderem Grund. Eins gab das andere und so bin ich dann doch erst recht spät ins Bett gegangen.


Bin nach diesem Absatz zum ersten Mal allein aus dem Haus gegangen. Ich wollte zur Schule laufen, hab ich auch getan, aber offensichtlich auf einem enormen Umweg. Meine Vermieter sind später als ich los und saßen bereits gemütlich in der Schule als ich ankam. Egal, hab dadurch eine Menge gesehen. Ein wahres Shopping-Paradies kann ich nur sagen. An jeder Ecke irgendein Laden, der auch irgendwie interessant ist. Vom Kiosk an der Ecke bis hin zum Möbelladen hab ich schon alles gesehen (kleine Boutiquen natürlich auch). Später am Nachmittag hab ich sogar mal versucht ein paar echt süße Chucks für mich zu kaufen (für 2 Euro), ist allerdings - wie sollte es auch anders sein, nicht an der Sprache, sondern an Schuhgröße 40 - gescheitert. Schaaaaade! Was soll´s, frau wächst an ihren Herausforderungen, oder?

Bevor ich allerdings weitergebummelt bin, hab ich in der Sprachschule erst mal ausgiebig Pause gemacht. Es ist ein wunderschönes Haus, das in der Hektik und dem Lärm hier eine ungeheure Ruhe ausstrahlt. Hört sich ein bisschen verklärt an, ist aber wirklich so. Es handelt sich um ein altes französisches Haus, das neu hergerichtet wurde, aber offensichtlich im alten Stil. Innen ist alles in dunklen Holztönen und beigen Polstern eingerichtet. Wenn man hineingeht, kommt man zunächst zum kleinen Empfang und schaut auf eine Holztreppe, die nach oben führt. Zu den Unterrichtsräumen, wie ich vermute, denn ich hab es bisher nur bis zur Bar geschafft ;-)) Ist allerdings ne Kafeiba. Die ist aber trotzdem schön! Wenige und schlichte Möbel, tolle braune Holztheke, ein bombastischer Blumenstrauß - wie ich glaube - aus pink-weißen Calla (sieht einfach edel aus). Und jetzt kommt das Beste: hinter der Theke ne echte Espressomaschine. Zugegeben, Cappuccino machen sie nicht, dafür aber alle möglichen anderen leckeren Sachen. Espresso sowieso, Eiskaffee auch, dann gibt es noch jede Menge Mischgetränke, die ich bisher noch nicht ausprobiert habe. Jasmin- und anderer Tee ist auch im Programm. Natürlich darf das Reshui und Wenshui nicht unerwähnt bleiben (kochend heißes bzw. warmes Wasser). Und jetzt noch einen oben drauf: das ganze ist umsonst. Immer! Auch wenn ich nur mal so vorbeischaue und mich ausruhen will!

Nachdem ich genau das getan habe, bin ich weitergeschlendert. Wenn man das so nennen kann, denn selbst beim Ampel überqueren muss man vorsichtig sein. Wenn für die Fußgänger grün ist, heißt das noch lange nicht, dass diejenigen, die rot haben, der gleichen Meinung sind. Also: vorsichtshalber immer mal nach links, rechts, vorne und hinten schauen, ob nicht doch noch einer schnell durch will. An nahezu jeder größeren Ampelkreuzung stehen zwar Aufpasser, aber die sind eben auch nicht allmächtig. Hin und wieder gibt’s der Einfachheit halber Brücken, die über die Kreuzung führen, die ich in der Regel dankbar in Anspruch nehme.

Ich wollte heute unbedingt zur Shanghai Book City. Ein Riesenladen über mindestens 7 Stockwerke, weil ich mir dort Vokabelkärtchen kaufen wollte, die es dort laut Schanghai-Forum mit Loch gibt, und die dann unglaublich praktisch auf einen Schlüsselring gehängt werden können zum “Unterwegs-Lernen”. Bis ich endlich da war, war mir fast die Lust vergangen, auf jeden Fall taten mir die Füße tierisch weh. Und als ich dann bei einer der netten Verkäuferinnen nachfragte, wo es diese Kärtchen denn wohl gäbe, bekam ich ein mir noch sehr bekanntes “mei you” zu hören (“gibt’s nicht”, das war vor 20 Jahren die Standardantwort ganz egal auf welche Frage). Leider war ich viel zu kaputt, um weiter zu nerven und hab mich dann auf eigene Faust noch ein bisschen umgeguckt. Und wie könnte es anders sein? Hab natürlich zwei Wörterbücher mitgenommen, eines in MP3-Format, das ich allerdings noch nicht ausprobiert habe. Haben jedes 30 Yuan, also 3 Euro gekostet, konnte ich doch nicht im Regal stehen lassen. Auf meinem Weg zur Kasse wurde ich dann von einer anderen netten Verkäuferin angesprochen. Uuups, dachte ich, vielleicht hat die das ja mit den Vokabelkärtchen mitgekriegt. Weit gefehlt! Sie hatte lediglich mitgekriegt, dass ich Wörterbücher gekauft habe und wollte mir ein elektronisches Wörterbuch  andrehen (also doch sehr geschäftstüchtig geworden die Chinesen in den letzten 20 Jahren , “meiyou” war mal). Sah nicht schlecht aus, aber da ich mich damit noch nicht besonders gut auskenne und nicht weiß, welche Sorte was taugt und welche nicht, hab ich lieber mal erst die Finger davon gelassen.

Als ich an der Kasse nach einer Tragetasche gefragt habe, hat man mir erklärt, dass es die nur im Erdgeschoss gibt. “Häää?” hat die Ausländerin in mir gedacht und ist brav nach unten gegangen. Und tatsächlich: am Ausgang stehen Uniformierte, die jedem, der es möchte (oder müssen alle? Hab ich noch nicht raus!) einen Stempel auf die Kassenquittung drücken und die Bücher in die Tragetasche tun.

Anschließend musste ich dringend was essen. Hab auch glücklicherweise direkt in der Nähe einen kleinen Schnellimbiss gefunden, der ganz gut aussah. War kein schlechter Griff, eine Hälfte des Essens war lecker, die andere nicht. Hab zwei verschiedene Dinge gegessen: Tofu (war schlecht) und Auberginen (waren gut). Der Reis ist sowieso okay.

Danach wollte ich eigentlich nur noch nach Hause, allerdings auch wieder zu Fuß. Sah gar nicht so weit aus, war es aber. Außerdem kam ich noch an einem großen Supermarkt vorbei, in den ich natürlich auch noch reingucken musste. Hab mir dort Kinderschreibhefte gekauft für meinen Unterricht morgen. Dann wieder aus und Richtung Wohnung. Dachte ich jedenfalls. War auch im großen und ganzen so, aber irgendwie, glaube ich, hätte es auch ein bisschen kürzer sein können.  Bin froh, dass ich unsere Wohnung überhaupt wieder gefunden habe. Denke zwar, dass ich vielleicht alles ein bisschen einfacher hätte haben können, dafür hab ich aber jede Menge gesehen, was ich sonst nicht gesehen hätte (z.B. ein Bassin voll mit (noch) lebenden Krabben). Und ich hab jetzt einen ungefähren Überblick über die Distanzen inklusive Orientierung. War vielleicht doch nicht so unklug. Und ab morgen trau ich mich dann vielleicht in die kleinen Straßen.

Ach ja, was ich gar nicht erwähnt habe: beim Ampel überqueren wird sowohl für die Fußgänger als auch für die Autofahren sekundenmäßig von 15 auf 0 runtergezählt, wie viel Zeit noch bleibt (bis zu was eigentlich? Zum Crash?). Find ich irgendwie beeindruckend.

15.10.2007
“Shangke” hieß es heute endlich (Antreten zum Unterricht sozusagen). Die ersten beiden Stunden .hatte ich bei Yaolan, der Lehrerin, die mich vom Flughafen abgeholt hat. Sie ist wirklich eine nette quirlige junge Frau, die offensichtlich lieber Freizeitkleidung als schickere Sachen trägt. Mit einem zarten chinesischen Wesen hat sie wenig gemein. Lacht viel, verdreht die Augen und wirkt wenig konservativ. Allerdings wird sie vom “laoban” (dem Boss, aber in diesem Fall der “Bossin&rdquo verpflichtet, repräsentative Kleidung zu tragen. D.h. heute trug sie über dem T-Shirt einen Blazer und zur Jeans Schuhe mit hohen Absätzen. Auch hier kann man auf keinen Fall von grazil sprechen, wenn sie mit den hohen Hacken die Treppe rauf- oder runterpoltert. Von weitem kann man sehen, dass es ganz und gar nicht ihr Ding ist (“ich hasse das” war ihr Kommentar). Putzig und intelligent ist das meiner Meinung nach passendste Adjektiv für Yaolan. Im Unterricht habe ich gemerkt wie furchtbar wenig spontan ich bin, was die chinesische Sprache betrifft. Ganz schrecklich, wie lange es dauert bis ich endlich meine Sätze konstruiert habe, die dann grammatikalisch meist trotzdem noch falsch sind. Na ja, es war der erste Tag, vielleicht kommt das noch.

Nach erneuter Pause (wir machen nach jeder Unterrichtsstunde Pause, d.h. 3 Pausen pro Tag) habe ich meinen zweiten Lehrer kennen gelernt: Guo Jingjin. Irgendwie bin ich gar nicht davon ausgegangen, dass es auch Männer gibt in dieser Schule, die unterrichten. Fand ich erst gar nicht so schön, ging aber dann schon. Er sollte wohl mit mir weiter mein Business Chinese bearbeiten, hat aber erst mal ne Weile von sich erzählt und mich ausgefragt, was ich beruflich mache und was mich sonst noch so interessiert. Jetzt weiß ich (oder sollte ich wissen, denn die Vokabel sitzt noch nicht wirklich &hellip was Rock ´n Roll und Rap heißt. Die Vokabel für Homosexualität kenne ich allerdings auch schon, vermutlich aus gutem Grunde, wenn ich mir meinen hübschen, jungen Chinesisch-Lehrer so angucke. Die zwei Stunden (natürlich mit pünktlicher Pause) vergingen recht schnell, allerdings hat mehr er als ich geredet. Das muss sich noch ändern …

Aufgefallen ist mir bei beiden, dass sie regelmäßig zur Tür rausschielen und ich habe den Eindruck, dass sie ein bisschen unter Druck stehen und kontrolliert werden. Weiß ich aber nicht sicher. Unterricht ist übrigens tatsächlich in der ersten Etage. Dort gibt es verschiedene Räume und auch Separées. Nachdem man mit dem Lehrer hochgegangen ist, kann man sich den Unterrichtsplatz aussuchen. Ich hab heute den VIP-Raum bevorzugt. Da kann man nämlich die Tür schließen und blamiert sich nur noch vor dem Lehrer, nicht vor den anderen Schülern ….

Nach dem Unterricht habe ich mit einigen Lehrern, der Schulleiterin und dem Schulmanager gegessen. Offensichtlich hat Lina, meine Vermieterin, keine große Lust abends noch zu kochen und so wird die Gelegenheit in der Schule genutzt. Wie genau sich das alles verhält hab ich allerdings noch nicht geblickt. Ich glaube, jeder holt sich Essen von draußen oder bringt welches von zuhause mit und dann wird mehr oder weniger gemeinsam gegessen. Der große Tisch wird mit Zeitungspapier ausgelegt, Reis gibt’s vom Haus und ich hatte drei verschiedene Sachen, die ich kombinieren konnte. Zwei verschiedene Gemüsearten und einmal Hühnerfleisch. Das Fleisch natürlich mit Knochen, wie immer eine Herausforderung, wenn man mit Stäbchen ist. Das ganze wird allerdings dadurch erleichtert, dass die Knochen und andere Essensreste einfach auf dem Tisch deponiert werden. Lecker wars auf jeden Fall, aber ich fühlte mich ein wenig komisch als einzige ausländische Schülerin am Tisch zusammen mit dem Schulteam, dass Mittagspause machte und eher privat war. Lina meinte, das macht gar nichts, sie hätten öfter schon Schüler so verköstigt. Na dann!

Den Heimweg habe ich wieder zu Fuß angetreten. Mit dem Bus zu fahren, hab ich mich nicht getraut. Lina hatte mich zwar heute morgen mit dem Bus mitgenommen, aber ich bin nicht sicher, ob ich die Haltestelle erkennen würde, an der ich aussteigen muss. Ehrlich gesagt, weiß ich auch noch gar nicht, wo ich einsteigen muss für den Rückweg. Abgesehen davon ist man mit dem Bus nicht unbedingt schneller, beides braucht ca. 30 Minuten.

Dafür hab ich auf dem Heimweg eine nette Straße entdeckt, die zum einen wirklich interessante Geschäfte hatte, aber auch noch ein bisschen ans frühere China erinnert. Hab mich sehr drüber gefreut, denn auf dem Flughafen hat mir ein Mitreisender erzählt, dass es davon ja rein gar nichts mehr zu sehen gäbe in Shanghai. Stimmt nicht wirklich finde ich (natürlich gibt’s nicht das traditionelle China der Verbotenen Stadt, aber es gibt immer noch kleine Geschäfte, Menschen die irrsinnig viel auf ihren Fahrrädern transportieren, an der Straßenseite (immer noch auf der Fahrbahn) wird ein Feuerchen gemacht, um Abfall zu entsorgen, kleine (leider) verkommene Häuser, Frauen im Mao-Anzug … all das gibt es noch, aber eben sicher nicht auf den touristischen Hauptwegen.

Hab dann schnell meine Sachen nach Hause gebracht (in den 12. Von den 34. Etagen; Etage 13 und 14 gibt es übrigens nicht aus abergläubischen Gründen) und bin dann wieder runter, um einfach ein bisschen durch diese Sträßchen zu bummeln. Danach bin ich allerdings wieder nach Hause, um dies hier zu schreiben und anschließend zu lernen. Fang ich jetzt auch mit an!

16.10.07 03:50


Bitte zuerst lesen

Hallo Ihr Lieben,

ihr müsst von unten anfangen zu lesen, da ist der erste Eintrag. Und bitte, bitte, seid nachsichtig mit mir. Ich hab nicht viel ausformuliert, sondern nur einfach aus den Fingern raus geschrieben.

Hoffentlich habt ihr Spaß dran! 

16.10.07 03:53


Fotos

Sollte das hier klappen, seht ihr Fotos von meiner Siedlung, meiner Schule (die Kafeiba) und eine Ampel mit Raketenabschusszähler ...
17.10.07 08:15


16.10.2007

16.10.2007
Sollte irgendjemand eine Art Appartement oder Wohnung in Shanghai mieten wollen. Ich weiß jetzt eine! Unglaublich wie schnell man hier andere Deutsche kennen lernt. Heute kam einer in meine Schule und schon wurde ich ihm vorgestellt. Ist doch klar, dass wir uns einiges zu sagen haben mussten. Schließlich ist er Deutscher und ich auch … Im Ernst, ich fand es schon schön, endlich mal wieder Deutsch zu sprechen. War mir vorher nicht aufgefallen, aber tatsächlich ging es die ganze Zeit immer nur auf Chinesisch, wenn auch sehr radebrechend. Er heißt Carlo Nordloh, ist einer der ersten Schüler dieser Schule und seines Zeichens Künstler. Er hat einige Zeit hier in Shanghai gelebt und arbeitet jetzt allerdings wieder als Lehrer an einer Berliner Schule. In Shanghai hat er begonnen mit einer der Chinesisch-Lehrerinnen künstlerisch zusammenzuarbeiten und herausgekommen sind eine Art Collagen, die sich aus westlicher und chinesischer Kunst zusammensetzen. Einige ihrer Arbeiten habe ich gesehen und fand sie sehr interessant. Einige davon würd ich mir auch gern ins Haus holen … Carlo hat mich zu sich nach Hause eingeladen, weil er weiterhin seine Wohnung in Shanghai behalten will und sie deshalb immer wieder mal vermietet. Die Wohnung liegt in einem der alten französischen Häuser des Schulviertels. Supergute Lage, wenn auch vom Standard her gewöhnungsbedürftig. Mir gefällts, aber es ist sicher nicht jedermanns Sache, weil es eben mehr Atelier als Wohnung ist. Trotzdem schön und mit eigenem Charme …

Mein Unterricht heute war wieder sehr anstrengend und ich hatte zwischendurch das Gefühl, dass nichts mehr geht. Mein Kopf raucht, kein einziger vernünftiger chinesischer Satz kommt raus. Totales Frustgefühl, wenn mein Lehrer sagt: “Wo zhidao nide yisi, danshi …”, was soviel heißt wie: “Klar hab ich verstanden was du meinst, aber …” und dann kommen maschinengewehrmäßig jede Menge Alternativen, wie man den Sachverhalt ausdrücken könnte, so dass es auch wirklich Chinesisch ist. Waaah, ich hasse es! Und das jetzt schon, nach zwei Tagen Unterricht. Da war der anschließende Besuch bei den schönen Künsten echt erholsam … Carlo hat mir auch einige Tipps gegeben, wo man auf jeden Fall mal hingegangen sein sollte, wenn man in Shanghai ist. Glücklicherweise lauter Spaziergänge im Schulviertel. Es scheint sich da eine Alternativ- und Designerszene entwickelt zu haben (ausgebaute Fabrikhallen etc.), aber es gab auch einige Restaurant- bzw. Essbuden-Tipps. Einen davon habe ich heute beherzigt. Bin über mich selbst erstaunt, dass ich so lange gebraucht habe, um endlich mal in so ein Restaurant zu gehen. Als ich dann drin war, wusste ich auch wieso. Es gibt zwar eine Auflistung der Gerichte, aber davon versteh ich grad mal ein Zehntel. Mutig wie ich bin, hab ich das ausgewählt, was ich kannte und stand dann ein wenig belämmert mitten in der Bude, weil ich das System noch nicht geblickt hatte. Ich musste nämlich zuerst zur Kasse gehen, bestellen, bezahlen und kriegte dann eine Quittung, auf der mein Gericht stand. Mit dieser Quittung konnte ich dann zu einer der Zubereitungstheken gehen und den Zettel abgeben. Erst musste ich aber rausfinden, welche für mein Gericht zuständig war. Die eine konnte ich ausschließen, da gab es nur Jiaozi und Baozi (im weitesten Sinne Teigtaschen), das konnte es also nicht sein, weil ich ja ein Tellergericht wollte. Also hab ich mich einfach an der mittleren angestellt und …. Glück gehabt. Zettel über die Theke, warten, warten, warten, linkes Ohr zuhalten, weil neben mir ein Chinese mit lauter Stimme irgendwas mit der Köchin klären wollte. Ha! Endlich mein Gericht vor mir auf der Theke. Wollte es grad nehmen, da stellt sich raus, dass es gar nicht meines, sondern dass vom lauten Chinesen ist (der sah auch eindeutig wichtiger aus in seiner Uniform).  Also weiter gewartet, was nicht ganz so beunruhigend war, weil meine rechte Nachbarin offensichtlich auch länger warten musste. Während des Wartens tauchte dann auch noch mein Lehrer auf, der sein Abendessen mit einer Kollegin dort einnehmen wollte. Mist! Wieder keine Ruhe. Egal, nett sind sie beide! Letztlich hab ich meine roten Rindfleischnudeln gekriegt, die anders aussahen als erwartet und das ganze aber nicht wirklich wert waren. Hab schon besser gegessen, schade! Dafür hatte ich nette Gesellschaft und auf meinem Stundenplan steht morgen “Wie ich das Essen kriege, das ich möchte!”.

Danach bin ich zurück zur Schule, um meine Sachen zu holen und mit dem Bus nach Hause zu fahren, aber die Angestellten dort haben mir ans Herz gelegt, doch auf meine Vermieterin, Lehrerin Xie, zu warten und mit ihr zusammen nach Hause zu fahren. Ehrlich gesagt, war ich ganz froh, dass sie ungefähr zu dieser Zeit Feierabend machen wollte, denn bisher habe ich den Rückweg noch nicht per Bus gemacht und weiß auch nicht, wo die richtige Bushaltestelle ist (und davon gibt es hier in Shanghai verdammt viele). Noch besser war allerdings, dass ihr Mann mit dem Taxi nach Hause gefahren ist und uns quasi abgeholt hat. Hen fangbian (sehr bequem).

Morgen fahre ich zum ersten Mal allein mit dem Bus zur Schule. Bin mal gespannt, ob ich die richtige Haltestelle zum Aussteigen erwische. Auf dem Weg zur Haltestelle muss ich durch einen Park, in dem die älteren Chinesen tatsächlich Sport treiben. Taiqiquan ist angesagt, aber auch jede Menge andere Sportgeräte, die für mich eher wie Kinderspielzeug aussehen. Wird aber richtig ernst betrieben. Ich seh schon, es wird Zeit, dass ich ein paar Fotos hochlade. Bisher hat es leider nicht geklappt, weil ich hier in der Familie nicht mit dem Notebook ins Netz komme, aber seit heute habe ich einen Zugang im HanYuan, meiner Schule. Also, vielleicht wird’s bald was.

Die Karte für die öffentlichen Verkehrsmittel, kann man jeweils wie eine Prepaid-Karte aufladen. Ist einmal ein Guthaben drauf, muss man sie nur vor eine Art Scanner halten und jede Fahrt wird abgebucht. Witzig daran ist, dass das scheinbar sogar durch den Stoff oder das Leder der Hand- oder Aktentasche geht. Sieht cool aus, wie groß und klein, schäbig und schick vor diesen Scanner gehoben werden …

17.10.07 09:45


17.10.2007 Hosenkauf in China

Eigentlich sollte ich jetzt lieber Vokabeln und Grammatik lernen, aber ich bin zu kaputt. Mein Tagespensum ist doch recht groß. Ich bin mir nicht sicher, ob vier Stunden Einzelunterricht die beste Wahl waren. Einerseits ist es zwar klasse, so intensiv zu lernen, andererseits komme ich aber mit dem Nachbereiten des Stoffs nicht nach (vom Vorbereiten wollen wir jetzt mal gar nicht sprechen). Der Unterricht ist von 10-15 Uhr, klingt nicht wirklich viel, aber es muss ein Mittagessen und selbstredend noch irgendwo ein Abendessen eingebaut werden. Mittagessen ist nicht das Problem, da ich das von der Ayi meiner Vermieterin zubereitete Mittagessen mit den anderen Lehrern im HanYuan einnehme. Unterrichtsende ist allerdings selten pünktlich, da mein hübscher , junger Lehrer immer wieder die Zeit vergisst und wir dadurch auch schnell mal ein halbes Stündchen länger machen. Dann komme ich aus dem HanYuan auch nicht sofort weg, weil ich entweder noch fürs Blog dort was mache oder mit den Leute quatsche, die dort auftauchen (Ehemalige genauso wie jetzige Schüler). Bei den Schülern handelt es sich hauptsächlich um Japaner, die hier geschäftlich zu tun haben (oder deren Ehefrauen). Die Schule gehört einem japanischen Konzern an, der - wenn ich es richtig verstanden habe - ca. 46 andere Schulen weltweit hat. Hier in Shanghai gibt es zwei. Tja, und was das Abendessen betrifft, da stoße ich zwar nicht an meine Grenzen, aber doch an meine Hemmschwelle. Das meiste auf den Speisekarten kann ich nicht lesen und weiß daher nicht, was ich eigentlich will. Vor 20 Jahren bin ich einfach hingegangen und hab in die Küche geguckt, was es gab, drauf gezeigt und gesagt: „Mach mal!“ Funktioniert heute irgendwie nicht mehr. Oder vielleicht doch, habs nur noch nicht probiert. So weit ich weiß, sind die kleinen Straßenstände verboten worden, so dass jetzt jedes Büdchen einen eigenen Laden hat. Also muss man reingehen und Speisekarte lesen … Heute allerdings hab ichs dann doch gewagt. Während eines „Leerlaufs“ bin ich dann doch in eine Art Spelunke gegangen und hab mir „Chaomian“ (Gebratene Nudeln) bestellt. Eines der wenigen Gerichte, die ich auswendig sagen kann. Die gabs dann auch. Während ich in dieser kleinen Bude saß und aufs Essen wartete, hab ich noch mal über die dunkle Gasse da draußen vor der Tür nachgedacht und ob es wirklich eine gute Idee war, so spontan zu entscheiden. Als ich dann sowohl Stäbchen als auch Baby-Kakerlake sah, war mir schon etwas mulmig. Aber aufstehen und gehen, hab ich auch irgendwie nicht übers Herz gebracht. Die Nudeln selbst waren gut zubereitet und ich vertraue jetzt erstens darauf, dass beim Wok-Braten jeder Keim abgetötet wurde und zweitens die zwei Harbin-Bier, die ich grad vernichte, den Rest erledigen. Harbin-Bier schmeckt übrigens richtig klasse!

So und nun zu dem Davor und Danach meines „Leerlaufs“. Weil ich mich morgen mit Jings Mutter treffen werde, wollte ich mich etwas seriöser kleiden und habe nach meiner langen Jeans gekramt, die ich für förmliche und weniger förmliche Anlässe mitgenommen hatte. Dumm gelaufen „Zhaobudao“. Will heißen, gesucht und nicht gefunden. Hab sie offensichtlich zuhause gelassen. Also raus aus der Schule und eine lange Jeans kaufen. Ich versteh nicht wieso, es gibt definitiv Chinesinnen, deren Hintern genauso dick ist wie meiner, aber Hosen gibt’s für die nicht viele. Und wenn, dann sind die nicht besonders trendy. Eine hab ich gefunden, die war nicht schlecht, aber für hiesige Verhältnisse eindeutig zu teuer. Okay, dachte ich mir, in der Nähe der Huaihailu ist eben alles etwas teurer, also gehst du in der Nähe deiner Wohnung einkaufen. Gesagt getan, in den Bus gestiegen, selbstredend an der falschen Haltestelle ausgestiegen, weil ich den Rückweg noch nie mit dem Bus gemacht habe, egal ein paar Meter weiter als nötig den Rest gelaufen, Sachen nach oben gebracht und schnell wieder runter zum Essen gehen und Hose kaufen. Ein paar Läden hab ich abgeklappert ohne Erfolg. In einen Laden bin ich reingegangen und wollte direkt wieder raus, weil mir die Kleidung doch ein wenig zu altmodisch erschien, hatte aber nicht mit „Mama! gerechnet. Mama hat mir sofort erzählt, dass alles, was dort im Laden ausgestellt ist, ihre Tochter selbst genäht hat. Ich dachte, das ist ein Übersetzungsfehler meinerseits. Der größte Teil der Sachen gefiel mir zwar nicht, aber alles sah gut geschneidert aus, zumindest nicht zu unterscheiden von industriell gefertigten Sachen. Mama hat dann auch geschäftstüchtig ihre Tochter aus dem Hinterstübchen geholt (ungefähr so groß wie unser Gäste-WC, das Zimmer meine ich natürlich), die dann freundlich auf mich einredete. Es ist tatsächlich so, dass sie alles selbst anfertigt. Unter anderem auch die zwei Qipaos, die an der Wand hingen und richtig gut aussahen. Qipao ist das traditionelle Gewand der Chinesinnen, schmal und auf Figur geschnitten mit Stehkragen und langem Beinschlitz. Da ich ohnehin schon drüber nachgedacht hatte, mir einen anfertigen zu lassen, habe ich mich weiter mit ihr unterhalten und im Laufe des Gesprächs festgestellt, dass so ein Qipao ca. 300 Kuai kostet. Wie ich bisher gehört habe ist das nicht zu teuer. Beim Verabschieden habe ich erklärt, dass ich vielleicht so einen Qipao machen lassen würde, aber nicht jetzt, sondern vielleicht später wiederkäme, wurde ich mehr oder weniger ins Hinterzimmer gezerrt und mir wurden über 100 Stoffmuster gezeigt. Eines schöner als das andere: Drachen, chinesische Schriftzeichen, das runde Glückssymbol, wunderschöne Blumenmuster, Drachen und Pfauen beieinander oder nur Pfauenschwänze, aber auch unifarbige Stoffe. Es fiel mir richtig schwer mich zu trennen, hab jedoch erklärt, ich müsse jetzt weiter. Aber ja, aber ja, aber wenn du Zeit hast und dir die Zeit vertreiben willst, bist jederzeit willkommen, quatschen, Teetrinken usw. Schwupp, schon hatte ich zwei Visitenkarten in die Hand gedrückt bekommen und wusste nicht, wie ich mit Anstand aus diesem Laden rauskomme. Wohlgemerkt, wir sprechen hier von ca. 12 m² Arbeits- und Ausstellungsfläche in einer leicht suspekten Gasse … Nun, man ließ mich gehen und ich hatte irgendwie das Gefühl, dass ich tatsächlich wiederkommen wollte.

Die noch nicht gefundene Jeans trieb mich weiter und siehe da, ich würde kurz drauf fündig. Eine Jeans, die einigermaßen stylisch ist in XL (eine europäische Größe verrate ich jetzt nicht, meine lieben Holland-Shopping-Frauen kennen sie ohnehin …. Leider war die Hose jedoch entschieden zu lang. Offensichtlich für große Chinesinnen, die für diese Größe eben doch noch schlank sind. Weniger für kleine gedrungene Laowai (Ausländer). Jetzt kam ich ins Grübeln, wenn auch nicht sehr lang. Hose runtergehandelt von 168 auf 134 aMuf letztlich 120, eingepackt und schnell so XiaoCheng, der Schneiderin. Höflich gefragt, ob sie wohl eventuell und vielleicht und überhaupt …. Kein Problem, wann soll ich die Hose kürzen? Sofort? Mach ich! Mir wurde Wasser angeboten, aber da fiel mir ein, dass ich noch essen wollte und sie war einverstanden, dass ich nach dem Essen die Hose abholte. Vorher hat sie mich aber noch gefragt, wie viel die Hose gekostet hat. Den Preis fand sie zwar okay, aber sie hätte mir eine für hundert genäht … (Die Restauranterfahrung hab ich oben als Leerlauf beschrieben.)

Als ich dann die Hose abholte und wissen wollte, wie viel ich zu zahlen hätte, sagte XiaoCheng mir, dass ich gar nichts zahlen brauche. „BuhaoYisi“ usw. Nein, ich solle nur, wenn ich einen Qipao haben wollte, zu ihr kommen, aber auch einfach so mal vorbeischauen. Klar hats was mit Geschäftspolitik zu tun, weiß ich auch. War trotzdem nett.

Also bin ich wieder nach Hause sozusagen mit „Spaß inne Backen“, weil alles so gut geklappt hat und hab mich noch mehr gefreut, weil meine Vermieter noch nicht zurück waren. Natürlich sind sie nett, aber irgendwie fand ich allein sein jetzt klasse. Hab mit dem Blog angefangen, bin recht weit gekommen und als sie dann wieder zurückkamen, war‘s richtig schön. Sie haben nach meiner Hose gefragt, fanden sie prima und dass ich auch nicht zu viel bezahlt hätte. Tat mir irgendwie gut, dass ich mich nicht hab übers Ohr hauen lassen. Als ich dann allerdings von „meiner“ Schneiderin erzählte, wussten sie von anderen zu berichten und zeigten mir, was sie bisher hatten anfertigen lassen. Feinster Zwirn: Geschäftsanzug, wunderbares Leinen: das „kleine Schwarze“ für wirklich kleines Geld. Der Anzug ca. 700 Kuai (80% Schurwolle und superleicht), das kleine Schwarze weiß ich nicht mehr. Jedenfalls hab ich für Samstag eine Verabredung mit meiner Vermieterin auf dem „Schneidermarkt“. Mal sehen, was so anfällt …

19.10.07 06:59


18.10.2007 Nervöse Mütter ...

... und eine davon ziemlich hilflos. Dieser Eintrag wird wohl sehr kurz werden. Inzwischen ist es 22.00 Uhr und ich bin völlig im Eimer. Heute habe ich mich mit Shuping, Jings Mutter getroffen. Supernett, keine Frage. Aber ich hab wahnsinnig große Probleme, sie zu verstehen. Offensichtlich spricht sie einen Dialekt, der selbst meiner Vermieterin, ihres Zeichens Schulleiterin, hie und da Schwierigkeiten bereitet.

Es lag aber nicht nur daran, dass ich so kaputt bin. Angefangen hat es schon damit, dass ich in Ruhe meinen Nachmittagsunterricht beginnen und lediglich vorher mal eben in der Mittagspause meine Travellerschecks eintauschen wollte. Beim Mittagessen mit dem Lehrerkollegium hab ich dann nach der nächsten Bank gefragt und wurde mit großen Augen angesehen, als ich erklärte, dass ich eben keine solche “fangbiande” internationale Kreditkarte habe. Okay, es wurde ein bisschen diskutiert, weil jeder wusste, wo der nächste Geldautomat ist, aber man sich nicht einig darüber war, wo die nächste Bank ist (so viel zum Thema “Vor-Ort-Bankberatung” … ich meine Büderich … ich glaube fast, ich kann sogar mit meiner ec-Karte abheben, vielleicht probier ich es ja mal aus ..). Ich wurde dann sozusagen in die linke Richtung geschickt, wo es auch jede Menge Banken gab, von Landwirtschaft bis Transport- und Verkehrsbank hab ich glaub ich alles gefunden. Aber siehe da, das moderne Shanghai hat auch seine Grenzen. Travellerschecks kann man eben nur in der Bank of China umtauschen. Und das war ein weiter Weg … 20 Minuten Fußweg bestimmt. Egal hab ich gedacht, tauscht du gleich ein bisschen mehr um, dann ist das erledigt. Einmal dort angekommen, musste ich erst mal ne Nummer ziehen, wie bei uns im Einwohnermeldeamt. Als ich dann auf meine Nummer blickte, hab ich gezuckt. Ich hatte Nummer 309 und die Schalter waren grad mal bei 279 angelangt. Aber gut man weiß ja nie, fünf Schalter … kann ja auch schnell gehen, oder? Durchschnittsbearbeitung eines Kunden: 10-15 Minuten. Kurz hochgerechnet kam ich auf mindestens 5 Stunden, diejenigen nicht mitgerechnet, die sich dazwischendrängeln. Da ich aber eigentlich schon längst hätte im Unterricht sitzen müssen, hab ich flugs den Rückweg angetreten. Ziemlich genervt und natürlich unerledigter Dinge …

Wieder im HanYuan angekommen, wurde mir mitgeteilt, dass Shuping schon auf dem Weg sei. Wir hatten uns für 16.00 Uhr verabredet und es war grade mal 14.00 Uhr. Eigentlich wollte ich noch 2 Stunden Unterricht machen. Aber gut, es wäre für sie auch ziemlich unangenehm gewesen , so lange die Zeit totzuschlagen. Kurzentschlossen Unterricht gestrichen und auf sie gewartet. Kurz darauf kam sie auch an und es war eine schöne Begrüßung. Zwar nicht mit Umarmung wie es bei uns üblich ist, aber dennoch sehr herzlich. Sie wurde auch im HanYuan sehr freundlich empfangen. Sowohl meine Vermieterin Lina als auch die Ayi haben sie erst mal ausgefragt, wie es sich jetzt genau verhält mit meiner “chinesischen Tochter”. Schon dabei hab ich gemerkt, dass ich nahezu kein Wort von dem verstehe, was sie sagt. Mist! Ärgert mich wirklich, weil ich so gern wüsste, was sie so bewegt (ich müsste zwar trotzdem zwischen den Zeilen lesen, aber es wäre eindeutig mehr als ich heute verstanden habe). Lina und Shuping waren so nett, meine Zeit einzuteilen und wenn ich es recht verstanden habe, bin ich am Samstag zwar mit Lina unterwegs, dafür aber am Sonntag mit Shuping und ich glaube auch ihrem Mann. Das darauf folgende Wochenende hat man mich komplett Shuping zugeteilt und ich habe nicht wirklich verstanden, wo es hingeht. Ich glaub, ich werde irgendwo aufs Land gebracht … in einen Park, der zeigt, wie es zu Zeiten des “Traums der roten Kammer” in China aussah. Ich freu mich wahnsinnig über diese Gastfreundlichkeit, aber es graust mir ein wenig vor einem Wochenende, an dem ich rein gar nichts verstehe.

Mit Shuping bin ich dann Richtung Bund gefahren und gelaufen, hab jede Menge alte chinesische Häuser gesehen, die sich direkt in der Nachbarschaft von irrsinnig glänzenden Wolkenkratzern befinden. Absolut hinreißend und spannend! Wir sind dann bis zum Bund gelaufen, die berühmte Uferpromenade Shanghais, in dessen Grünanlagen sich gern die Pärchen tummeln (außer Knutschen läuft da - glaube ich - nichts. Oder doch? Vielleicht gibt es ja Leser, die mich eines Besseren belehren können?) Der Bund ist nach wie vor absolut beeindruckend. Die Skyline ist Wahnsinn. Habe versucht, ein wenig in meinen Fotos einzufangen, ist aber nicht einfach. Wirklich alte Gebäude konkurrieren mit diesen hypermodernen Futurkästen und ich find noch nicht einmal, dass es hässlich aussieht. Das Ganze wurde aber noch getoppt: Shuping hatte für uns noch eine Schiffahrt bei Nacht (sprich im Dunkeln, was hier um 18.00 Uhr beginnt) geplant. Da wir aber immer noch wahnsinnig viel Zeit hatten, sind wir wieder zurückgefahren (diesmal mit dem Taxi) zur Nanjinglu. Unglaublich: in China gibt es Fußgängerzonen! Hier lässt es sich leicht einkaufen, der Westler findet alles, was er will und nicht will. Deswegen hab ich jetzt auch schon etwas für meine drei Töchter gefunden. Das gibt’s zwar auch in Deutschland, aber eindeutig nicht zu dem Kurs. Und ich kann nur sagen: Shuping mag ich zwar zum größten Teil nicht verstanden haben. Aber feilschen kann sie! Das war richtig klasse. Ein bisschen nach dem Motto: für die Hälfte das Doppelte. Und es macht ihr offensichtlich Spaß!

Wir haben dann etwas in einer japanischen Schnellimbisskette gegessen und uns dann wieder auf den Rückweg zum Bund gemacht. Und ich muss ehrlich sagen, der Bund bei Nacht, diese Skyline muss man wirklich gesehen haben, wenn man denn mal in der Nähe ist. Ein Großteil der Wolkenkratzer ist beleuchtet. Einer schöner und bunter als der andere. Mag das Super-Tourismus-Programm gewesen sein (zumal Shuping auch noch die VIP-Suite organisiert und auch noch gezahlt hat), aber das ist wirklich der Hammer.

Danach sind wir ein wenig hektisch wieder aufgebrochen, weil Shuping spätestens um 21.00 Uhr ihren Zug kriegen musste. Ich war wirklich völlig erschöpft, bin dann nur noch in meinen Bus gestiegen, nachdem wir uns in der Metro verabschiedet hatten und habs diesmal geschafft, nicht eine zu früh, sondern eine zu spät auszusteigen. Jetzt hatte es sich zugespitzt, ich brauchte ein anständiges Bier und das nicht aus einem kleinen Gläschen, sondern richtig. Rein in den nächsten Supertmarkt, zwei 640ml-Flaschen Qingdao-Bier gekauft und irgendwie zurück zur Siedlung. Bisschen peinlich ist es mir jetzt schon, innerhalb von anderthalb Stunden war die Flasche leer, zumal mein japanischer Vermieter Mingcun sich nicht beteiligt hat. Erkkärung war, dass er heute nicht trinken kann (was bei uns Frauen …., das ist bei ihm wohl die Arbeit). Okay, jetzt wissen die beiden, dass ich eine “waschechte” Deutsche bin und haben vielleicht nen schlechten Eindruck, aber das war es mir wert. Wer weiß, vielleicht trinkt er ja demnächst mit?

19.10.07 07:02


20.10.2007

20.10.2007
Und schon haben wir den 20. Oktober. Die Zeit verrennt wie im Flug. Ich hab Angst ihr hinterherzulaufen und versuch alles an einem Tag zu schaffen. Gestern ist schon fast vergessen, weil heut schon wieder so viel gewesen ist. Weil mir zu gestern nicht mehr so viel einfällt, versuch ich mich an die Dinge zu erinnern, die hier anders oder bemerkenswert sind, und die ich bisher nicht erwähnt hab.

Ganz besonders zu erwähnen sind die Toiletten. War es früher so, dass man echt Not hatte überhaupt eine zu finden und wenn man dann eine gefunden hat, dann war es eine öffentliche, in der es im besten Fall ca. 1m hohe Trennwände gab, aber keine Türen (im Klartext “blanko pitschko&rdquo, so sieht es jetzt schon ganz anders aus: jedes Restaurant hat Toiletten und wer was auf sich hält, der hat nicht nur ein Klo, sondern gleich eines, dessen Brille beheizt werden kann und vieles mehr. Im HanYuan z.B. kann man sich zwischen Bidet und Spray entscheiden (spart ne Menge Papier ;-)), anschließend den Fön anstellen und sich dann wohlfühlen … Das ist im Moment hier ziemlich populär und nicht die schlechteste Einrichtung.

Was noch? Offensichtlich essen hier inzwischen viele zum Frühstück auch Brot, so dass es gar nicht schwierig ist, bei seinen westlichen Gewohnheiten zu bleiben, wenn man denn will. Meine Vermieter kaufen fast immer Brot, das allerdings von ihnen selbst kaum belegt wird. Eigentlich gar nicht. Im besten Fall kommt Marmelade drauf. Margarine wurde wohl nur für mich gekauft. Allerdings ist es eine wahre Kunst ein solches Brot zu schmieren, weil ich das mit einem Teelöffel machen muss, denn Schmiermesser gibt es hier nicht. Brotsorten gibt es genug. Kein Grund zur Klage, französisches und deutsches Brot in allen möglichen Variationen. Heute morgen haben wir allerdings ein bisschen chinesisch gefrühstückt, weil es ihnen jetzt doch langweilig wurde, ewig dieses Brot. Es gab Hundun-Suppe (wieder eine Art Teigtaschen) und süße Dampfbrötchen in zwei Sorten. Die einen waren gefüllt mit so was ähnlichem wie Butter (huangnaibao), die anderen mit roter Bohnenpaste (hongdoubao). Waren nicht schlecht, aber wirklich süß und in Kombination mit gesalzener und gepfefferter Suppe ein bisschen gewöhnungsbedürftig.

Danach sind wir zum Schneidermarkt gefahren. Ursprünglich wollte ich mir einen Qipao nähen lassen, bin dann aber bei einer Art Blazer und Kaschmir-Mantel geendet. Lass mich überraschen, sind beide nächsten Samstag fertig. Es war echt beeindruckend, dort spazieren zu gehen und sich anzugucken, was alles möglich ist. Über drei Etagen waren unendlich viele Schneiderstände verteilt (bin schlecht im schätzen, aber es waren bestimmt mehr als 200), die ihre Muster ausgestellt hatten. Ich wusste nachher schon nicht mehr, wo ich hingucken soll. Meine Vermieter haben mir beim Handeln geholfen und jetzt hoffe ich, dass es die richtige Wahl war.

Danach bin ich allein Richtung Brillenmarkt gefahren. Ein genauso interessanter Platz, der allerdings unterirdisch in einer von außen etwas schäbigen Halle angesiedelt ist. Der Eingang sieht sehr suspekt aus und ich war mir absolut nicht sicher, ob ich wirklich am richtigen Platz war. Also noch mal nachgefragt. “Aber ja, geh mal weiter” war die Auskunft. Und nachdem ich dann das heruntergekommene Treppenhaus hinter mir hatte, stand ich in einer Halle und wusste überhaupt, wohin ich gehen soll. Lauter Glastheken mit unendlich vielen Brillengestellen. Wo ein Stand anfing oder aufhörte, war für mich überhaupt nicht zu erkennen. Bin dann einfach auf den nächst besten zugegangen und wurde als Ausländer natürlich sofort angequatscht. Der nächst beste war nach eigener Auskunft auch der wirklich Beste und hatte mit meinem Rezept keine größeren Probleme. Trotzdem wollte ich erst noch mal ein wenig weitergucken. Am nächsten Stand, den ich ansteuerte, hat man mich aber dann auch schon eingefangen. Eine nette kleine und sehr geschäftstüchtige Chinesin hat mich von einer Theke zur nächsten geschleppt, unzählige Schubladen aufgezogen und mir Gestelle angeboten. Als ich immer noch sehr unentschlossen war, hat sie nicht mehr die Gestelle angeschleppt, sondern mich zu ihrer “Zweigniederlassung” in der gleichen Halle geschleppt. Weitere 125 Gestelle wurden aus den verschiedensten Ecken gekramt (von Armani über Prada und Gucci hatte ich alles auf) und letztlich hat sie mich mit einer überzeugt. Selbstredend eine Gucci (da fehlt schließlich nicht mehr viel zur Guzzi, oder?). Ich war eine furchtbare Kundin, hab sie fast 1 ½ Stunden beschäftigt, und jetzt war ich dran. Na gut, jetzt war Handeln angesagt. Aber darin bin ich nun wirklich ne Null. Abgesehen davon war es wirklich schwierig, weil wir uns erstmal verständigen mussten, wie genau meine Gläser aussehen sollen. Lass mich überraschen, meiner Meinung nach habe ich jetzt multifokale Gläser, gehärtet und mit Sonnenbrilleneffekt (mir fällt der deutsche Name grad nicht ein). Dienstag soll die Brille fertig sein. Was mich jetzt beunruhigt, dass ich die Brille allein ausgesucht habe. Wäre mir schon lieber gewesen, hätte mir jemand beratend zur Seite gestanden.

Danach bin ich völlig erschöpft raus aus diesem total überhitzten Optiker-Überschuss. Erst da fiel mir erstens auf, dass ich tierische Kopfschmerzen hatte und zweitens, dass ich gar nichts gegessen hatte, seit heut morgen. Inzwischen war es 15.30 Uhr und irgendwas musste geschehen. Die Kopfschmerzen standen mal zuerst an, und ich glaube auch, jetzt zu wissen, woher sie kommen. Ich hatte noch nicht einen Kaffee gehabt, den ganzen Tag über. Kurz entschlossen bin ich zum HanYuan gefahren, weil der Kaffee da wirklich gut ist und ich nach diesem ganzen Trubel  dringend ein bisschen Ruhe brauchte. So war es dann auch. Nur die Ayi und die Empfangsdame waren da und kümmerten sich rührend um mich. Zwei Tassen Kaffee, einen Granatapfel und ein bisschen plaudern später ging es mir schon wieder besser. Während ich dort saß, rief mich Lina, meine Vermieterin an, und wollte wissen, wo ich sei. Als ich sagte, ich sei im HanYuan, erfuhr ich, dass sie mich zum Essen einladen wollten und ich dort im Hanyuan abgeholt wurde. Wenn man lang genug wartet, lösen sich manche Probleme doch von allein.

Wir sind dann in ein Restaurant gefahren, das nord-ost-chinesische Küche anbietet (ich hoffe, ich hab das richtig in Erinnerung). Jedenfalls gab es dort eben auch Essen, wie man es in Harbin isst. Unglaublich wie viel die beiden bestellt haben. Ich glaube, wir hatten mehr als sechs verschiedene Gerichte auf dem Tisch, eines leckrer als das andere: grüne Bohnen in Spalten geschnitten mit viel Knoblauch, Sauerkraut (aber eindeutig leckrer als unseres), eine Art Brotzopf, der ein bisschen salzig war, einen Teigfladen, der auf einer Art Crepepfanne zubereitet wird, Nudeln mit Gemüse, dann noch eine andere Art Nudeln, die durchsichtig sind, aber so breit sind, wie die italienischen Bandnudeln. Diese Nudeln sahen ganz furchtbar und glibberig aus und sind angeblich aus Kartoffeln gemacht, sind aber superlecker. Dazwischen war auch jede Menge Gemüse, aber welches kann ich gar nicht sagen. Und dann gab es noch etwas das aussah, wie gefüllte Kartoffeln. Das waren aber gar keine Kartoffeln, sondern irgendein Mehlgebilde, das mit roter Bohnenpaste gefüllt war und tierisch klebte. Eindeutig nicht mein Favorit. Ich glaub jetzt bin ich schon bei Nummer sieben. Wir haben längst nicht alles aufgegessen, was aber auch nicht schlimm ist, weil man sich hier alles einpacken lassen und mit nach Hause nehmen kann. Der Sonntagsbraten ist sozusagen schon gerettet. Wobei ich davon wohl eher nichts haben werde, weil ich morgen mit Jings Mama unterwegs bin. Zum Essen gab es dann leckeres Harbin-Bier. Echt nicht zu verachten, etwas stärker als Tsingtao-Pijiu und ich finde auch besser. Bei der Gelegenheit haben Mingcun und ich zwei Flaschen Bier geleert und Mingcun zusätzlich ein Glas Wein. Voilà, er kann es doch! Er hatte den Wein bestellt, damit ich ihn probiere. Hab ich auch getan. Waaah, das war kein Wein, das war eher Likör. So was von süß, unglaublich. Macht nix, trink ich dann aus und schwupp, schon stand das Glas bei ihm. Nein, ganz so war es nicht, der Wein war nicht schlecht, aber nix für halbtrocken bis trocken Trinker und übergeben wurde das Glas auch ganz höflich … Das Essen hat tierisch Spaß gemacht und ich würde richtig gern noch mal dort hingehen. Vielleicht lade ich die beiden zum Abschied dahin ein, denn sie hatten auch richtig Spaß.

Während des Essens rief mich dann Shuping an, um sich mit mir zu verabreden. Da die Verbindung schlecht war und ich sie nur teilweise verstehen konnte (nicht nur aufgrund der schlechten Leitung) hab ich sie an Lina weitergereicht und wurde von beiden für morgen um 9.00 Uhr an der Metrostation verabredet. Viel zu früh, meiner Meinung nach, aber die beiden kannten kein Pardon. Fazit ist, dass ich jetzt Schluss mache und morgen ein Taxi nehme.

 Leider kann ich keine Fotos mehr hochladen, der Speicherplatz ist zu klein. Ich werde vielleicht an dieser Stelle einen anderen Link veröffentlichen, wo ihr dann gucken könnt.

22.10.07 05:21


 [eine Seite weiter]



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung