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17.10.2007 Hosenkauf in China

Eigentlich sollte ich jetzt lieber Vokabeln und Grammatik lernen, aber ich bin zu kaputt. Mein Tagespensum ist doch recht groß. Ich bin mir nicht sicher, ob vier Stunden Einzelunterricht die beste Wahl waren. Einerseits ist es zwar klasse, so intensiv zu lernen, andererseits komme ich aber mit dem Nachbereiten des Stoffs nicht nach (vom Vorbereiten wollen wir jetzt mal gar nicht sprechen). Der Unterricht ist von 10-15 Uhr, klingt nicht wirklich viel, aber es muss ein Mittagessen und selbstredend noch irgendwo ein Abendessen eingebaut werden. Mittagessen ist nicht das Problem, da ich das von der Ayi meiner Vermieterin zubereitete Mittagessen mit den anderen Lehrern im HanYuan einnehme. Unterrichtsende ist allerdings selten pünktlich, da mein hübscher , junger Lehrer immer wieder die Zeit vergisst und wir dadurch auch schnell mal ein halbes Stündchen länger machen. Dann komme ich aus dem HanYuan auch nicht sofort weg, weil ich entweder noch fürs Blog dort was mache oder mit den Leute quatsche, die dort auftauchen (Ehemalige genauso wie jetzige Schüler). Bei den Schülern handelt es sich hauptsächlich um Japaner, die hier geschäftlich zu tun haben (oder deren Ehefrauen). Die Schule gehört einem japanischen Konzern an, der - wenn ich es richtig verstanden habe - ca. 46 andere Schulen weltweit hat. Hier in Shanghai gibt es zwei. Tja, und was das Abendessen betrifft, da stoße ich zwar nicht an meine Grenzen, aber doch an meine Hemmschwelle. Das meiste auf den Speisekarten kann ich nicht lesen und weiß daher nicht, was ich eigentlich will. Vor 20 Jahren bin ich einfach hingegangen und hab in die Küche geguckt, was es gab, drauf gezeigt und gesagt: „Mach mal!“ Funktioniert heute irgendwie nicht mehr. Oder vielleicht doch, habs nur noch nicht probiert. So weit ich weiß, sind die kleinen Straßenstände verboten worden, so dass jetzt jedes Büdchen einen eigenen Laden hat. Also muss man reingehen und Speisekarte lesen … Heute allerdings hab ichs dann doch gewagt. Während eines „Leerlaufs“ bin ich dann doch in eine Art Spelunke gegangen und hab mir „Chaomian“ (Gebratene Nudeln) bestellt. Eines der wenigen Gerichte, die ich auswendig sagen kann. Die gabs dann auch. Während ich in dieser kleinen Bude saß und aufs Essen wartete, hab ich noch mal über die dunkle Gasse da draußen vor der Tür nachgedacht und ob es wirklich eine gute Idee war, so spontan zu entscheiden. Als ich dann sowohl Stäbchen als auch Baby-Kakerlake sah, war mir schon etwas mulmig. Aber aufstehen und gehen, hab ich auch irgendwie nicht übers Herz gebracht. Die Nudeln selbst waren gut zubereitet und ich vertraue jetzt erstens darauf, dass beim Wok-Braten jeder Keim abgetötet wurde und zweitens die zwei Harbin-Bier, die ich grad vernichte, den Rest erledigen. Harbin-Bier schmeckt übrigens richtig klasse!

So und nun zu dem Davor und Danach meines „Leerlaufs“. Weil ich mich morgen mit Jings Mutter treffen werde, wollte ich mich etwas seriöser kleiden und habe nach meiner langen Jeans gekramt, die ich für förmliche und weniger förmliche Anlässe mitgenommen hatte. Dumm gelaufen „Zhaobudao“. Will heißen, gesucht und nicht gefunden. Hab sie offensichtlich zuhause gelassen. Also raus aus der Schule und eine lange Jeans kaufen. Ich versteh nicht wieso, es gibt definitiv Chinesinnen, deren Hintern genauso dick ist wie meiner, aber Hosen gibt’s für die nicht viele. Und wenn, dann sind die nicht besonders trendy. Eine hab ich gefunden, die war nicht schlecht, aber für hiesige Verhältnisse eindeutig zu teuer. Okay, dachte ich mir, in der Nähe der Huaihailu ist eben alles etwas teurer, also gehst du in der Nähe deiner Wohnung einkaufen. Gesagt getan, in den Bus gestiegen, selbstredend an der falschen Haltestelle ausgestiegen, weil ich den Rückweg noch nie mit dem Bus gemacht habe, egal ein paar Meter weiter als nötig den Rest gelaufen, Sachen nach oben gebracht und schnell wieder runter zum Essen gehen und Hose kaufen. Ein paar Läden hab ich abgeklappert ohne Erfolg. In einen Laden bin ich reingegangen und wollte direkt wieder raus, weil mir die Kleidung doch ein wenig zu altmodisch erschien, hatte aber nicht mit „Mama! gerechnet. Mama hat mir sofort erzählt, dass alles, was dort im Laden ausgestellt ist, ihre Tochter selbst genäht hat. Ich dachte, das ist ein Übersetzungsfehler meinerseits. Der größte Teil der Sachen gefiel mir zwar nicht, aber alles sah gut geschneidert aus, zumindest nicht zu unterscheiden von industriell gefertigten Sachen. Mama hat dann auch geschäftstüchtig ihre Tochter aus dem Hinterstübchen geholt (ungefähr so groß wie unser Gäste-WC, das Zimmer meine ich natürlich), die dann freundlich auf mich einredete. Es ist tatsächlich so, dass sie alles selbst anfertigt. Unter anderem auch die zwei Qipaos, die an der Wand hingen und richtig gut aussahen. Qipao ist das traditionelle Gewand der Chinesinnen, schmal und auf Figur geschnitten mit Stehkragen und langem Beinschlitz. Da ich ohnehin schon drüber nachgedacht hatte, mir einen anfertigen zu lassen, habe ich mich weiter mit ihr unterhalten und im Laufe des Gesprächs festgestellt, dass so ein Qipao ca. 300 Kuai kostet. Wie ich bisher gehört habe ist das nicht zu teuer. Beim Verabschieden habe ich erklärt, dass ich vielleicht so einen Qipao machen lassen würde, aber nicht jetzt, sondern vielleicht später wiederkäme, wurde ich mehr oder weniger ins Hinterzimmer gezerrt und mir wurden über 100 Stoffmuster gezeigt. Eines schöner als das andere: Drachen, chinesische Schriftzeichen, das runde Glückssymbol, wunderschöne Blumenmuster, Drachen und Pfauen beieinander oder nur Pfauenschwänze, aber auch unifarbige Stoffe. Es fiel mir richtig schwer mich zu trennen, hab jedoch erklärt, ich müsse jetzt weiter. Aber ja, aber ja, aber wenn du Zeit hast und dir die Zeit vertreiben willst, bist jederzeit willkommen, quatschen, Teetrinken usw. Schwupp, schon hatte ich zwei Visitenkarten in die Hand gedrückt bekommen und wusste nicht, wie ich mit Anstand aus diesem Laden rauskomme. Wohlgemerkt, wir sprechen hier von ca. 12 m² Arbeits- und Ausstellungsfläche in einer leicht suspekten Gasse … Nun, man ließ mich gehen und ich hatte irgendwie das Gefühl, dass ich tatsächlich wiederkommen wollte.

Die noch nicht gefundene Jeans trieb mich weiter und siehe da, ich würde kurz drauf fündig. Eine Jeans, die einigermaßen stylisch ist in XL (eine europäische Größe verrate ich jetzt nicht, meine lieben Holland-Shopping-Frauen kennen sie ohnehin …. Leider war die Hose jedoch entschieden zu lang. Offensichtlich für große Chinesinnen, die für diese Größe eben doch noch schlank sind. Weniger für kleine gedrungene Laowai (Ausländer). Jetzt kam ich ins Grübeln, wenn auch nicht sehr lang. Hose runtergehandelt von 168 auf 134 aMuf letztlich 120, eingepackt und schnell so XiaoCheng, der Schneiderin. Höflich gefragt, ob sie wohl eventuell und vielleicht und überhaupt …. Kein Problem, wann soll ich die Hose kürzen? Sofort? Mach ich! Mir wurde Wasser angeboten, aber da fiel mir ein, dass ich noch essen wollte und sie war einverstanden, dass ich nach dem Essen die Hose abholte. Vorher hat sie mich aber noch gefragt, wie viel die Hose gekostet hat. Den Preis fand sie zwar okay, aber sie hätte mir eine für hundert genäht … (Die Restauranterfahrung hab ich oben als Leerlauf beschrieben.)

Als ich dann die Hose abholte und wissen wollte, wie viel ich zu zahlen hätte, sagte XiaoCheng mir, dass ich gar nichts zahlen brauche. „BuhaoYisi“ usw. Nein, ich solle nur, wenn ich einen Qipao haben wollte, zu ihr kommen, aber auch einfach so mal vorbeischauen. Klar hats was mit Geschäftspolitik zu tun, weiß ich auch. War trotzdem nett.

Also bin ich wieder nach Hause sozusagen mit „Spaß inne Backen“, weil alles so gut geklappt hat und hab mich noch mehr gefreut, weil meine Vermieter noch nicht zurück waren. Natürlich sind sie nett, aber irgendwie fand ich allein sein jetzt klasse. Hab mit dem Blog angefangen, bin recht weit gekommen und als sie dann wieder zurückkamen, war‘s richtig schön. Sie haben nach meiner Hose gefragt, fanden sie prima und dass ich auch nicht zu viel bezahlt hätte. Tat mir irgendwie gut, dass ich mich nicht hab übers Ohr hauen lassen. Als ich dann allerdings von „meiner“ Schneiderin erzählte, wussten sie von anderen zu berichten und zeigten mir, was sie bisher hatten anfertigen lassen. Feinster Zwirn: Geschäftsanzug, wunderbares Leinen: das „kleine Schwarze“ für wirklich kleines Geld. Der Anzug ca. 700 Kuai (80% Schurwolle und superleicht), das kleine Schwarze weiß ich nicht mehr. Jedenfalls hab ich für Samstag eine Verabredung mit meiner Vermieterin auf dem „Schneidermarkt“. Mal sehen, was so anfällt …

19.10.07 06:59
 


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