Startseite
  Archiv
  Gästebuch
  Kontakt

Webnews



http://myblog.de/bbshanghai

Gratis bloggen bei
myblog.de





18.10.2007 Nervöse Mütter ...

... und eine davon ziemlich hilflos. Dieser Eintrag wird wohl sehr kurz werden. Inzwischen ist es 22.00 Uhr und ich bin völlig im Eimer. Heute habe ich mich mit Shuping, Jings Mutter getroffen. Supernett, keine Frage. Aber ich hab wahnsinnig große Probleme, sie zu verstehen. Offensichtlich spricht sie einen Dialekt, der selbst meiner Vermieterin, ihres Zeichens Schulleiterin, hie und da Schwierigkeiten bereitet.

Es lag aber nicht nur daran, dass ich so kaputt bin. Angefangen hat es schon damit, dass ich in Ruhe meinen Nachmittagsunterricht beginnen und lediglich vorher mal eben in der Mittagspause meine Travellerschecks eintauschen wollte. Beim Mittagessen mit dem Lehrerkollegium hab ich dann nach der nächsten Bank gefragt und wurde mit großen Augen angesehen, als ich erklärte, dass ich eben keine solche “fangbiande” internationale Kreditkarte habe. Okay, es wurde ein bisschen diskutiert, weil jeder wusste, wo der nächste Geldautomat ist, aber man sich nicht einig darüber war, wo die nächste Bank ist (so viel zum Thema “Vor-Ort-Bankberatung” … ich meine Büderich … ich glaube fast, ich kann sogar mit meiner ec-Karte abheben, vielleicht probier ich es ja mal aus ..). Ich wurde dann sozusagen in die linke Richtung geschickt, wo es auch jede Menge Banken gab, von Landwirtschaft bis Transport- und Verkehrsbank hab ich glaub ich alles gefunden. Aber siehe da, das moderne Shanghai hat auch seine Grenzen. Travellerschecks kann man eben nur in der Bank of China umtauschen. Und das war ein weiter Weg … 20 Minuten Fußweg bestimmt. Egal hab ich gedacht, tauscht du gleich ein bisschen mehr um, dann ist das erledigt. Einmal dort angekommen, musste ich erst mal ne Nummer ziehen, wie bei uns im Einwohnermeldeamt. Als ich dann auf meine Nummer blickte, hab ich gezuckt. Ich hatte Nummer 309 und die Schalter waren grad mal bei 279 angelangt. Aber gut man weiß ja nie, fünf Schalter … kann ja auch schnell gehen, oder? Durchschnittsbearbeitung eines Kunden: 10-15 Minuten. Kurz hochgerechnet kam ich auf mindestens 5 Stunden, diejenigen nicht mitgerechnet, die sich dazwischendrängeln. Da ich aber eigentlich schon längst hätte im Unterricht sitzen müssen, hab ich flugs den Rückweg angetreten. Ziemlich genervt und natürlich unerledigter Dinge …

Wieder im HanYuan angekommen, wurde mir mitgeteilt, dass Shuping schon auf dem Weg sei. Wir hatten uns für 16.00 Uhr verabredet und es war grade mal 14.00 Uhr. Eigentlich wollte ich noch 2 Stunden Unterricht machen. Aber gut, es wäre für sie auch ziemlich unangenehm gewesen , so lange die Zeit totzuschlagen. Kurzentschlossen Unterricht gestrichen und auf sie gewartet. Kurz darauf kam sie auch an und es war eine schöne Begrüßung. Zwar nicht mit Umarmung wie es bei uns üblich ist, aber dennoch sehr herzlich. Sie wurde auch im HanYuan sehr freundlich empfangen. Sowohl meine Vermieterin Lina als auch die Ayi haben sie erst mal ausgefragt, wie es sich jetzt genau verhält mit meiner “chinesischen Tochter”. Schon dabei hab ich gemerkt, dass ich nahezu kein Wort von dem verstehe, was sie sagt. Mist! Ärgert mich wirklich, weil ich so gern wüsste, was sie so bewegt (ich müsste zwar trotzdem zwischen den Zeilen lesen, aber es wäre eindeutig mehr als ich heute verstanden habe). Lina und Shuping waren so nett, meine Zeit einzuteilen und wenn ich es recht verstanden habe, bin ich am Samstag zwar mit Lina unterwegs, dafür aber am Sonntag mit Shuping und ich glaube auch ihrem Mann. Das darauf folgende Wochenende hat man mich komplett Shuping zugeteilt und ich habe nicht wirklich verstanden, wo es hingeht. Ich glaub, ich werde irgendwo aufs Land gebracht … in einen Park, der zeigt, wie es zu Zeiten des “Traums der roten Kammer” in China aussah. Ich freu mich wahnsinnig über diese Gastfreundlichkeit, aber es graust mir ein wenig vor einem Wochenende, an dem ich rein gar nichts verstehe.

Mit Shuping bin ich dann Richtung Bund gefahren und gelaufen, hab jede Menge alte chinesische Häuser gesehen, die sich direkt in der Nachbarschaft von irrsinnig glänzenden Wolkenkratzern befinden. Absolut hinreißend und spannend! Wir sind dann bis zum Bund gelaufen, die berühmte Uferpromenade Shanghais, in dessen Grünanlagen sich gern die Pärchen tummeln (außer Knutschen läuft da - glaube ich - nichts. Oder doch? Vielleicht gibt es ja Leser, die mich eines Besseren belehren können?) Der Bund ist nach wie vor absolut beeindruckend. Die Skyline ist Wahnsinn. Habe versucht, ein wenig in meinen Fotos einzufangen, ist aber nicht einfach. Wirklich alte Gebäude konkurrieren mit diesen hypermodernen Futurkästen und ich find noch nicht einmal, dass es hässlich aussieht. Das Ganze wurde aber noch getoppt: Shuping hatte für uns noch eine Schiffahrt bei Nacht (sprich im Dunkeln, was hier um 18.00 Uhr beginnt) geplant. Da wir aber immer noch wahnsinnig viel Zeit hatten, sind wir wieder zurückgefahren (diesmal mit dem Taxi) zur Nanjinglu. Unglaublich: in China gibt es Fußgängerzonen! Hier lässt es sich leicht einkaufen, der Westler findet alles, was er will und nicht will. Deswegen hab ich jetzt auch schon etwas für meine drei Töchter gefunden. Das gibt’s zwar auch in Deutschland, aber eindeutig nicht zu dem Kurs. Und ich kann nur sagen: Shuping mag ich zwar zum größten Teil nicht verstanden haben. Aber feilschen kann sie! Das war richtig klasse. Ein bisschen nach dem Motto: für die Hälfte das Doppelte. Und es macht ihr offensichtlich Spaß!

Wir haben dann etwas in einer japanischen Schnellimbisskette gegessen und uns dann wieder auf den Rückweg zum Bund gemacht. Und ich muss ehrlich sagen, der Bund bei Nacht, diese Skyline muss man wirklich gesehen haben, wenn man denn mal in der Nähe ist. Ein Großteil der Wolkenkratzer ist beleuchtet. Einer schöner und bunter als der andere. Mag das Super-Tourismus-Programm gewesen sein (zumal Shuping auch noch die VIP-Suite organisiert und auch noch gezahlt hat), aber das ist wirklich der Hammer.

Danach sind wir ein wenig hektisch wieder aufgebrochen, weil Shuping spätestens um 21.00 Uhr ihren Zug kriegen musste. Ich war wirklich völlig erschöpft, bin dann nur noch in meinen Bus gestiegen, nachdem wir uns in der Metro verabschiedet hatten und habs diesmal geschafft, nicht eine zu früh, sondern eine zu spät auszusteigen. Jetzt hatte es sich zugespitzt, ich brauchte ein anständiges Bier und das nicht aus einem kleinen Gläschen, sondern richtig. Rein in den nächsten Supertmarkt, zwei 640ml-Flaschen Qingdao-Bier gekauft und irgendwie zurück zur Siedlung. Bisschen peinlich ist es mir jetzt schon, innerhalb von anderthalb Stunden war die Flasche leer, zumal mein japanischer Vermieter Mingcun sich nicht beteiligt hat. Erkkärung war, dass er heute nicht trinken kann (was bei uns Frauen …., das ist bei ihm wohl die Arbeit). Okay, jetzt wissen die beiden, dass ich eine “waschechte” Deutsche bin und haben vielleicht nen schlechten Eindruck, aber das war es mir wert. Wer weiß, vielleicht trinkt er ja demnächst mit?

19.10.07 07:02
 


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung