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20.10.2007

20.10.2007
Und schon haben wir den 20. Oktober. Die Zeit verrennt wie im Flug. Ich hab Angst ihr hinterherzulaufen und versuch alles an einem Tag zu schaffen. Gestern ist schon fast vergessen, weil heut schon wieder so viel gewesen ist. Weil mir zu gestern nicht mehr so viel einfällt, versuch ich mich an die Dinge zu erinnern, die hier anders oder bemerkenswert sind, und die ich bisher nicht erwähnt hab.

Ganz besonders zu erwähnen sind die Toiletten. War es früher so, dass man echt Not hatte überhaupt eine zu finden und wenn man dann eine gefunden hat, dann war es eine öffentliche, in der es im besten Fall ca. 1m hohe Trennwände gab, aber keine Türen (im Klartext “blanko pitschko&rdquo, so sieht es jetzt schon ganz anders aus: jedes Restaurant hat Toiletten und wer was auf sich hält, der hat nicht nur ein Klo, sondern gleich eines, dessen Brille beheizt werden kann und vieles mehr. Im HanYuan z.B. kann man sich zwischen Bidet und Spray entscheiden (spart ne Menge Papier ;-)), anschließend den Fön anstellen und sich dann wohlfühlen … Das ist im Moment hier ziemlich populär und nicht die schlechteste Einrichtung.

Was noch? Offensichtlich essen hier inzwischen viele zum Frühstück auch Brot, so dass es gar nicht schwierig ist, bei seinen westlichen Gewohnheiten zu bleiben, wenn man denn will. Meine Vermieter kaufen fast immer Brot, das allerdings von ihnen selbst kaum belegt wird. Eigentlich gar nicht. Im besten Fall kommt Marmelade drauf. Margarine wurde wohl nur für mich gekauft. Allerdings ist es eine wahre Kunst ein solches Brot zu schmieren, weil ich das mit einem Teelöffel machen muss, denn Schmiermesser gibt es hier nicht. Brotsorten gibt es genug. Kein Grund zur Klage, französisches und deutsches Brot in allen möglichen Variationen. Heute morgen haben wir allerdings ein bisschen chinesisch gefrühstückt, weil es ihnen jetzt doch langweilig wurde, ewig dieses Brot. Es gab Hundun-Suppe (wieder eine Art Teigtaschen) und süße Dampfbrötchen in zwei Sorten. Die einen waren gefüllt mit so was ähnlichem wie Butter (huangnaibao), die anderen mit roter Bohnenpaste (hongdoubao). Waren nicht schlecht, aber wirklich süß und in Kombination mit gesalzener und gepfefferter Suppe ein bisschen gewöhnungsbedürftig.

Danach sind wir zum Schneidermarkt gefahren. Ursprünglich wollte ich mir einen Qipao nähen lassen, bin dann aber bei einer Art Blazer und Kaschmir-Mantel geendet. Lass mich überraschen, sind beide nächsten Samstag fertig. Es war echt beeindruckend, dort spazieren zu gehen und sich anzugucken, was alles möglich ist. Über drei Etagen waren unendlich viele Schneiderstände verteilt (bin schlecht im schätzen, aber es waren bestimmt mehr als 200), die ihre Muster ausgestellt hatten. Ich wusste nachher schon nicht mehr, wo ich hingucken soll. Meine Vermieter haben mir beim Handeln geholfen und jetzt hoffe ich, dass es die richtige Wahl war.

Danach bin ich allein Richtung Brillenmarkt gefahren. Ein genauso interessanter Platz, der allerdings unterirdisch in einer von außen etwas schäbigen Halle angesiedelt ist. Der Eingang sieht sehr suspekt aus und ich war mir absolut nicht sicher, ob ich wirklich am richtigen Platz war. Also noch mal nachgefragt. “Aber ja, geh mal weiter” war die Auskunft. Und nachdem ich dann das heruntergekommene Treppenhaus hinter mir hatte, stand ich in einer Halle und wusste überhaupt, wohin ich gehen soll. Lauter Glastheken mit unendlich vielen Brillengestellen. Wo ein Stand anfing oder aufhörte, war für mich überhaupt nicht zu erkennen. Bin dann einfach auf den nächst besten zugegangen und wurde als Ausländer natürlich sofort angequatscht. Der nächst beste war nach eigener Auskunft auch der wirklich Beste und hatte mit meinem Rezept keine größeren Probleme. Trotzdem wollte ich erst noch mal ein wenig weitergucken. Am nächsten Stand, den ich ansteuerte, hat man mich aber dann auch schon eingefangen. Eine nette kleine und sehr geschäftstüchtige Chinesin hat mich von einer Theke zur nächsten geschleppt, unzählige Schubladen aufgezogen und mir Gestelle angeboten. Als ich immer noch sehr unentschlossen war, hat sie nicht mehr die Gestelle angeschleppt, sondern mich zu ihrer “Zweigniederlassung” in der gleichen Halle geschleppt. Weitere 125 Gestelle wurden aus den verschiedensten Ecken gekramt (von Armani über Prada und Gucci hatte ich alles auf) und letztlich hat sie mich mit einer überzeugt. Selbstredend eine Gucci (da fehlt schließlich nicht mehr viel zur Guzzi, oder?). Ich war eine furchtbare Kundin, hab sie fast 1 ½ Stunden beschäftigt, und jetzt war ich dran. Na gut, jetzt war Handeln angesagt. Aber darin bin ich nun wirklich ne Null. Abgesehen davon war es wirklich schwierig, weil wir uns erstmal verständigen mussten, wie genau meine Gläser aussehen sollen. Lass mich überraschen, meiner Meinung nach habe ich jetzt multifokale Gläser, gehärtet und mit Sonnenbrilleneffekt (mir fällt der deutsche Name grad nicht ein). Dienstag soll die Brille fertig sein. Was mich jetzt beunruhigt, dass ich die Brille allein ausgesucht habe. Wäre mir schon lieber gewesen, hätte mir jemand beratend zur Seite gestanden.

Danach bin ich völlig erschöpft raus aus diesem total überhitzten Optiker-Überschuss. Erst da fiel mir erstens auf, dass ich tierische Kopfschmerzen hatte und zweitens, dass ich gar nichts gegessen hatte, seit heut morgen. Inzwischen war es 15.30 Uhr und irgendwas musste geschehen. Die Kopfschmerzen standen mal zuerst an, und ich glaube auch, jetzt zu wissen, woher sie kommen. Ich hatte noch nicht einen Kaffee gehabt, den ganzen Tag über. Kurz entschlossen bin ich zum HanYuan gefahren, weil der Kaffee da wirklich gut ist und ich nach diesem ganzen Trubel  dringend ein bisschen Ruhe brauchte. So war es dann auch. Nur die Ayi und die Empfangsdame waren da und kümmerten sich rührend um mich. Zwei Tassen Kaffee, einen Granatapfel und ein bisschen plaudern später ging es mir schon wieder besser. Während ich dort saß, rief mich Lina, meine Vermieterin an, und wollte wissen, wo ich sei. Als ich sagte, ich sei im HanYuan, erfuhr ich, dass sie mich zum Essen einladen wollten und ich dort im Hanyuan abgeholt wurde. Wenn man lang genug wartet, lösen sich manche Probleme doch von allein.

Wir sind dann in ein Restaurant gefahren, das nord-ost-chinesische Küche anbietet (ich hoffe, ich hab das richtig in Erinnerung). Jedenfalls gab es dort eben auch Essen, wie man es in Harbin isst. Unglaublich wie viel die beiden bestellt haben. Ich glaube, wir hatten mehr als sechs verschiedene Gerichte auf dem Tisch, eines leckrer als das andere: grüne Bohnen in Spalten geschnitten mit viel Knoblauch, Sauerkraut (aber eindeutig leckrer als unseres), eine Art Brotzopf, der ein bisschen salzig war, einen Teigfladen, der auf einer Art Crepepfanne zubereitet wird, Nudeln mit Gemüse, dann noch eine andere Art Nudeln, die durchsichtig sind, aber so breit sind, wie die italienischen Bandnudeln. Diese Nudeln sahen ganz furchtbar und glibberig aus und sind angeblich aus Kartoffeln gemacht, sind aber superlecker. Dazwischen war auch jede Menge Gemüse, aber welches kann ich gar nicht sagen. Und dann gab es noch etwas das aussah, wie gefüllte Kartoffeln. Das waren aber gar keine Kartoffeln, sondern irgendein Mehlgebilde, das mit roter Bohnenpaste gefüllt war und tierisch klebte. Eindeutig nicht mein Favorit. Ich glaub jetzt bin ich schon bei Nummer sieben. Wir haben längst nicht alles aufgegessen, was aber auch nicht schlimm ist, weil man sich hier alles einpacken lassen und mit nach Hause nehmen kann. Der Sonntagsbraten ist sozusagen schon gerettet. Wobei ich davon wohl eher nichts haben werde, weil ich morgen mit Jings Mama unterwegs bin. Zum Essen gab es dann leckeres Harbin-Bier. Echt nicht zu verachten, etwas stärker als Tsingtao-Pijiu und ich finde auch besser. Bei der Gelegenheit haben Mingcun und ich zwei Flaschen Bier geleert und Mingcun zusätzlich ein Glas Wein. Voilà, er kann es doch! Er hatte den Wein bestellt, damit ich ihn probiere. Hab ich auch getan. Waaah, das war kein Wein, das war eher Likör. So was von süß, unglaublich. Macht nix, trink ich dann aus und schwupp, schon stand das Glas bei ihm. Nein, ganz so war es nicht, der Wein war nicht schlecht, aber nix für halbtrocken bis trocken Trinker und übergeben wurde das Glas auch ganz höflich … Das Essen hat tierisch Spaß gemacht und ich würde richtig gern noch mal dort hingehen. Vielleicht lade ich die beiden zum Abschied dahin ein, denn sie hatten auch richtig Spaß.

Während des Essens rief mich dann Shuping an, um sich mit mir zu verabreden. Da die Verbindung schlecht war und ich sie nur teilweise verstehen konnte (nicht nur aufgrund der schlechten Leitung) hab ich sie an Lina weitergereicht und wurde von beiden für morgen um 9.00 Uhr an der Metrostation verabredet. Viel zu früh, meiner Meinung nach, aber die beiden kannten kein Pardon. Fazit ist, dass ich jetzt Schluss mache und morgen ein Taxi nehme.

 Leider kann ich keine Fotos mehr hochladen, der Speicherplatz ist zu klein. Ich werde vielleicht an dieser Stelle einen anderen Link veröffentlichen, wo ihr dann gucken könnt.

22.10.07 05:21
 


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