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24.10.2007 Die Welt ist ja so klein ...

Heute gibt es nicht allzu viel aus dem Unterricht zu berichten. Obwohl … hab heute mit einer meiner Lehrerinnen über Liebe etc. gesprochen. Anlass dafür war, dass ich in den letzten Tagen ein wenig vom Wirtschafts-Chinesisch abgewichen bin (war mehr die Initiative meiner Lehrer, aber ich hab es dankbar angenommen) und mehr über chinesische Schlager gelernt habe. Selbstredend haben die viel mit Liebe zu tun. Überhaupt scheint mir dieses Volk, was ja so gar nicht nach außen zeigt, was es fühlt, einen unglaublichen Hang zum Drama hat. Die Seifenopern, die sich meine Vermieter abends angucken, sind unglaublich. Da sind “GZSZ” und “Verliebt in Berlin” echt ´n Scheißdreck gegen. Muss mal so deutlich gesagt werden. Okay, also ich musste über eine Liebeserfahrung meinerseits berichten. Flugs überlegt, klar, musste ja mit meinem Mann zu tun haben, ein paar Details weggelassen (besser so für meinen Ruf in China &hellip und das eine oder andere beschönigt. Jetzt hatte ich aber auch die Gelegenheit mal nachzuhaken, wie es sich denn hier so in China mit der Liebe verhält. Vor allen Dingen hat mich interessiert, ob die jungen Leute denn auch zusammen wohnen können, obwohl sie nicht verheiratet sind. Im Bus hatte ich nämlich grad gestern erst ein furchtbar knutschendes Paar beobachten können und die waren so jung, dass ich mir nicht vorstellen konnte, dass sie schon verheiratet sind. Die Antwort war allerdings “Nein, man wohnt nicht zusammen bevor man nicht verheiratet ist.” Warum? Hat mit dem Gesetz wohl eher nichts zu tun, sondern ein junges Mädchen spart sich halt auf für ihren Zukünftigen, will heißen, wenn man zusammenwohnt ist ja wohl höchstwahrscheinlich schon mal zum ersten Mal gekommen. Na ja, und wenn man sich dann womöglich wieder trennt und der nächste entdeckt, dass Frau keine Jungfrau mehr ist …. Was dann? Scheint also hier noch sehr traditionell gehandhabt zu werden. Trotz aller modernen Aspekte in Shanghai. Eheverträge gibt es aber inzwischen hier auch schon.

In der Mittagspause musste ich dann ausnahmsweise draußen essen, weil ich vergessen hatte, das von der Ayi zubereitete Mittagessen mitzunehmen. Da Lina heute ihren freien Tag hatte, hat sie es ja nicht mitnehmen können und als ich aus dem Haus ging schlief sie noch, so dass sie mich nicht erinnern konnte.

Meine Lehrerin war so nett mir ein absolut berühmtes Shanghaier Lokal zu zeigen, dass direkt in der Nachbarstraße der Schule ist. Der Name übersetzt lautet ungefähr so: “Mamas Nudelbude” (Aniang Mianguan). Vor dieser Nudelbude stehen die Leute wirklich Schlange, und das auf der einen Seite der Straße. Ich habe heute ca. 20 Minuten gewartet und war mächtig nervös, weil ich wieder nicht ein einziges Gericht auf der Speisekarte übersetzen konnte. Hatte mich innerlich zu Nr. 9 durchgerungen, was auch immer das war. Während ich so friedlich vor mich hindämmerte und eigentlich ganz froh war, mal nicht chinesisch sprechen zu müssen, sprach mich der Chinese vor mir an. Von wo ich denn käme? Aus Deutschland! Und von wo da? Kennst du nicht, sehr kleine Stadt. Düsseldorf? Hä, kennst du Düsseldorf? Klar, hab dort studiert und in Neuss gewohnt. Oh, dann kennst du vielleicht auch Wesel. Klar, da war ich auch schon und in Xanten. Nun, man kam ins Gespräch und die Wartezeit wurde mir etwas lang, weil ich mir nicht klar war, welche Richtung dieses Gespräch annehmen würde. Fazit war, dass ich meine Nudeln nicht bezahlen brauchte (umgerechnet übrigens 1 Euro) und mit ihm und seinen Arbeitskolleginnen zusammen gegessen habe. Lange Zeit haben wir allerdings dann auf der anderen Straßenseite auf die bereits bezahlten Nudeln gewartet (ich hatte übrigens Duftfleisch mit einigen anderen Zutaten und ein bisschen Grünzeug und einem ganzen Ei). Kein Scherz, ich habe insgesamt für dieses absolut einfache Essen eine Stunde gebraucht, davon waren glaube ich ca. 5 Minuten die eigentliche Esszeit. Die ganze Zeit wurde mir von Liu Hui erklärt, wie toll er doch Deutschland findet und so weiter und so fort. Flugs hatte ich seine Visitenkarte überreicht bekommen (hatte nicht damit gerechnet, dass ich beim schnöden Nudelessen eine brauchen würde, sonst hätte ich meine auch überreicht), mit der Bitte ihm doch eine E-Mail zu schreiben, er würde mich gern zum Essen einladen und mir ein wenig die Stadt zeigen, bei Bedarf helfen usw. Ich weiß nicht recht, was ich davon halten soll. Chinesen sind wirklich so nett und hilfsbereit und es könnte tatsächlich ein absolut harmloses Angebot sein. Bei uns würde ich wohl erst mal nicht drauf eingehen. Andererseits arbeitet er in irgendeinem Marketing Department und ich wollte ja auch ein paar Kontakte schlagen. Werde mal ne Nacht drüber schlafen.

In Bezug auf Hilfsbereitschaft sind die Chinesen wirklich klasse. Egal, wen ich nach Bus oder Weg frage, selbst die, die mich kaum verstehen, oder die ich nicht verstehe, geben ihr Bestes. Als ich heute im Bus zum Yuyuan gefahren bin und nicht mehr sicher war, wann ich aussteigen müsste, habe ich eine Chinesin gefragt und die hat mich quasi an die Hand genommen (zugegeben, sie hatte den gleichen Weg) und mit zum Umsteigen geschleppt, so dass ich quasi direkt vorm Loch aussteigen konnte. Supernett hat sie noch mit mir geredet, über mein Chinesisch gestaunt und mich ein wenig beschämt, weil ich selbst weiß, wie mangelhaft es ist.

Im Yuyuan angekommen habe ich dann die meisten Punkte auf meiner Einkaufsliste abhaken können und war ganz stolz auf mich. Hab schließlich Ketten um zwei Drittel runtergehandelt. Hao lihai!!!! Eine Tasche , die der Laoban von sich aus auf 300 Kuai runtergesetzt hatte, ohne dass ich handeln musste (ausgepreist war sie für 600), habe ich noch auf 120 drücken können. Hao lihai!!! Okay, ich war nicht immer so erfolgreich, aber trotzdem zufrieden.

Danach bin ich noch zum Waitan gefahren, weil ich den einfach mal ablaufen wollte. Tatsächlich gabs da einige knutschende Pärchen, aber sonderlich romantisch fand ich es trotzdem nicht. Schöhn war es dennoch, einfach mal ein bisschen nur so rumzuschlendern. Den Rückweg hab ich dann per Taxi angetreten und spontan beschlossen, dass heute der richtige Tag zum Qipao bestellen ist (das traditionelle chinesische Frauengewand). Bin also quasi mit dem Taxi bis zu meiner neuen “Freundin” Xiao Cheng gefahren (eine Kreuzung früher ausgestiegen, macht sich nicht so gut, wenn man am Preis drehen will, oder?) und hab in ihrem Stübchen Qipao-Magazine gewälzt. Nachdem wir uns dann einig über den Stil waren, musste ich nur noch aus mehr als hundert Stoffen auswählen. Xiao Cheng hat sich ein bisschen beklagt, weil ich aus den hunderten immer noch nicht recht den gefunden hatte, den ich wollte. Letztlich sind wir uns aber über den Stoff ziemlich klar geworden, den sie allerdings bei sich zuhause hat. Bringt sie dann morgen mit und wir gucken noch mal. Beim Preisverhandeln waren wir dann - jedenfalls meiner Meinung nach - nicht mehr ganz so gute Freunde. So wie es aussieht zahle ich immer noch einen Laowai-Preis, ist mir aber nicht ganz so wichtig. Alles in allem könnte ich vielleicht noch 8-10 Euro rausholen, finde aber, dass es ein besseres Gefühl ist, mein Geld dort bei ihr zu lassen, als es in den Dongjiadu zu schleppen, wo jeder Ausländer hinrennt. Xiao Cheng behauptet, es sei echte Seide, die ich da bekomme. Na, schaun wir mal …

Ein schöner Tag war´s heute.

Das Wetter hier ist übrigens sehr frühlingshaft. Angenehm warm, nachts frisch und bisher  nur selten Wolken. Angeblich sollte es heute abend regnen. Hab ich aber nichts von gemerkt. Die Wettervorhersage scheint hier nicht allzu zuverlässig zu sein. Ist mir auch vorher schon aufgefallen.

Morgen will ich eventuell zum Friseur gehen. Allerdings haben meine Vermieter mich gewarnt, es könnte ein schockierendes Ergebnis geben. Ich hab beschlossen, morgen nach Gefühl zu entscheiden,
25.10.07 06:51
 


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


(25.10.07 23:34)
Na, die Haare wachsen auch wieder!
Bettina

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