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28.10.2007 Pangxie hoch Zwei

Gestern wurde ich von Shuping hier im HanYuan abgeholt. Um 8.00 Uhr musste ich stramm stehen. Pfiffig wie ich bin, hab ich mich schon früher auf den Weg gemacht, damit ich noch in Ruhe zwei Tassen Kaffee trinken kann. Aber es kam, wie es kommen musste: Shuping war schon um 7.45 Uhr hier. Das hieß, zwei Tassen Kaffee und zum Bahnhof im Galopp. Auf dem Hinweg hat sie dann festgestellt, dass sie die Zugfahrkarten statt für 9.15 Uhr morgens, für 21.15 Uhr gekauft hatte. Ist aber offensichtlich kein Problem gewesen, wir sind trotzdem in den Zug um 8:58 Uhr gestiegen und haben uns in den Speisewagen gesetzt. Mit den früheren Hardseaters war das überhaupt nicht mehr zu vergleichen. Hatte schon IC/E-Niveau. Allerdings gibt es noch ausreichend von den anderen Zügen, in denen es nicht so gepflegt und zivilisiert zugeht. Wir sind dann bis nach Kunshan gefahren und Jings Vater hat uns dort mit dem Auto abgeholt. Schönes Auto, aber über 100 km/h wurde es doch etwas rappelig.

Wir sind zu einer Art chinesischem Venedig gefahren (ca. 1 Stunde Fahrt), wo wir von Jings Vater abgesetzt wurden. Er hat dann auf uns gewartet, bis wir mit dem besichtigen der unzähligen Museen auf dem Gelände fertig waren. Dieses Wasserdorf ist zwar wie ein Park zum Besichtigen aufgemacht, aber in diesem Dorf wohnen nach wie vor die Einwohner, die sich ihr Geld damit verdienen, dass sie an Touristen (hauptsächlich chinesische, japanische und taiwanesische) diverse Kleinigkeiten verkaufen, sie mit Mittag- und Abendessen versorgen und mit dem Boot durch kleine Wasserstraßen führen. Während eine der Frauen, die das Boot durch´s Wasser staken, wird auch manchmal kräftig gesungen. Ein bisschen nach dem Motto je lauter, desto mehr Trinkgeld. Shuping mag die Lieder sehr, für mein europäisches Ohr war es sehr gewöhnungbedürftig, aber klasse war es schon irgendwie.

Zum Mittagessen haben wir uns dann mit Shupings Mann in einem kleinen Restaurant getroffen und es gab die Spezialität der Gegend und Jahreszeit: Pangxie. Das sind Krabben und hier wird auf´s heftigste diskutiert, welche bei wem und in welcher Gegend am besten sind. Jings Eltern waren absolut sicher, dass es dort die besten gibt und deswegen wurden die auch gegessen, obwohl ich am abend im HanYuan noch an einer Pangxie-Party teilnehmen würde. Das Essen selbst ist sehr schwierig, weil man alles mögliche knacken und das kleinste Fitzelchen aus den Ecken holen muss. Hat man die obere und untere Hälfte des Leibes erst mal getrennt, gibt es weiches, weißes und gelbes Fleisch, dessen Konsistenz mir nicht grad entgegenkam. Da waren mir die Beinchen doch schon lieber, auch wenn das Fleisch dort nur rar war. Interessantes Essen, aber nicht wirklich mein Lieblingsgericht. Eine Krabbe braucht ca. eine ¾ Stunde … Danach und währenddessen gab es noch ein wenig Gemüse dazu und eine wunderbare Hühnersuppe, allerdings mit Haut und Kralle. Ohne Worte … Lecker war sie aber!

Danach sind wir wieder mit dem Auto zum nächsten Park gefahren. Dort ist ausgestellt worden wie die Hauptpersonen zu Zeiten des Hongloumeng (“Traum der Roten Kammer) gelebt haben. Sehr schön gemacht und irre groß. Shuping wusste über jedes Haus, über jede Ehefrau, Konkubine, Tochter, Schwester und noch viele andere die Geschichte und hat mir alles detailliert erklärt. Fiel mir aber trotzdem schwer, sie immer zu verstehen.

Beide haben bedauert, dass meine Zeit so kurz ist und mehrmals betont, wie gern sie meine Kinder bei sich aufnehmen würden, wenn sie mal China bereisen wollten. Beide sind superlieb und warmherzig und es tut mir richtig leid, dass ich mich in Chinesisch so schlecht ausdrücken kann. Wenn ich es richtig verstanden habe, kommt Shuping am Mittwoch noch mal ins HanYuan, um mir ein paar Sachen für Jing und die Kinder mitzugeben.

Nach der zweiten Besichtigung haben wir uns dann auf den Weg nach Shanghai gemacht. Dabei haben wir dann ca. 1 Stunde im Stau gestanden, um überhaupt nach Shanghai reinzukommen. Für die Benutzung der Autobahnen müssen übrigens Gebühren bezahlt werden und wer in Shanghai Auto fahren will, muss für ein Nummerschild erst ma. 50.000 Renminbi hinblättern. Das sind ca. 5.000 Euro. Danach kann man erst ein Auto kaufen und zulassen. Entstanden ist das wohl, weil die Regierung die Zulassungen beschränkt  und sich dadurch eine Börse für Zulassungen entwickelt hat.

Ich wurde dann direkt am HanYuan abgesetzt und wollte ursprünglich noch nach Hause fahren, um mich für die Party umzuziehen. Es war 17.00 Uhr und um 18.30 Uhr sollte es losgehen. Mein Vermieter war allerdings auch schon da und meinte, dass sei doch wirklich Quatsch. Ich war noch unschlüssig, aber dann haben wir an der Theke gesessen und über die mitgebrachten alkoholischen Spezialitäten geplaudert. Tja, und als wir dann das Plaudern aufgegeben und mit dem Probieren angefangen hatte, habe ich Spontaneität und Flexibilität gezeigt und bin einfach geblieben. War ne gute Entscheidung! Lecker war es und lustig wurde es später auch. Ein paar Japaner haben mich angequatscht und letztlich ist ein junger, gutaussehender Mann auf mich zugekommen, der sein Bedauern darüber ausdrückte, dass wir uns fast jeden Tag im HanYuan sehen, aber nicht mit einander gesprochen hatten bisher. Er sah ziemlich deutsch aus, sprach Chinesisch und stellte sich als Italiener heraus. Ein blonder Italiener, wo gibt es denn so was? Noch dazu einer, der recht schüchtern und zurückhaltend wirkt.

Wir saßen dann mit einem japanischen Ehepaar zusammen. Sie sprach gut Deutsch und er gut Chinesisch. Die beiden Japaner hatten es irgendwie geschafft, die Krabben unbeobachtet zu essen,und der Italiener und ich haben eine filmreife Vorstellung gegeben (ich könnte nicht sagen, welche Krabben jetzt besser waren, ich find sie nur unglaublich umständlich zu essen). Mein Part bestand darin, mich einzusauen und sein weißes Hemd blieb weiß wie Meister Proper. Manno! War also eine sehr lustige Runde, die dann einstimmig beschlossen hat, dass 21.30 Uhr eindeutig zu früh zum Heimgehen ist (die Party war da beendet). Also haben wir noch in einen Pub in der Nähe aufgesucht, in dem ich zeigte, was ne “echte” Deutsche ist. Die anderen haben eher alkoholische Kleinigkeiten bestellt, ich den halben Liter dunkles Paulaner. Hmmm, lecker. Nach und nach stellte sich dann raus, dass auch ein Japaner mal Witze über Männer und Frauen reißen kann, seine Frau das gar nicht peinlich findet, sondern kräftig mitlacht und der Italiener sich drei Ziele gesetzt hatte., als er nach Shanghai kam. Wohnung finden, Schule für Chinesisch finden waren seine beiden ersten Ziele. Die hat er schon erreicht. Jetzt arbeitet er am dritten: Freundin finden. Der Japaner erkundigte sich hochinteressiert, wie denn seine Traumfrau aussehen musste, und leider musste ich feststellen, dass ich nicht ins Beuteschema passe (war nicht wirklich ne Überraschung). Bei 40 (er ist 25) war seine Schallgrenze ). Tja, und ich denke, er hat ohnehin eher an ein schwarzhaariges Wörterbuch gedacht. War einfach schön mal so rumzublödeln. Werde demnächst mal nachfragen, ob schon was bei der Suche rumgekommen ist. Nee, watt is so´n leichter Plauderton bei einem leckren Bier doch schön … Todmüde bin ich dann um 0.00 Uhr ins Bett gefallen, nachdem ich mich entschlossen hatte, mir den Luxus zu goennen und ein Taxi zu nehmen … dabei musste ich dann aber doch feststellen, dass es eine echte Herausforderung ist, nach diversen Schnaepsen und Bieren dem Taxifahrer Xujiahuiluzhizaojululukou entgegenzuschmettern (meine Adresse) und dann auch noch Haltung zu bewahren ...
29.10.07 11:25
 


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